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Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

D Städte und Kommunen

D.1 Städte

Bestand 631 Stadt Oberwesel

Bestand 631
Stadt Oberwesel
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
4 Urkunden: (1391, 1466, 1614) 1598, 17./18.Jh.; 1697 Akten: 1453-1985 (36,25 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Oberwesel, das im 3. Jahrhundert als römische Herbergsstation an der rheinischen Heerstraße den Namen Vosavia oder Vosolvia trug, bildete unter fränkischer Herrschaft den Mittelpunkt eines Fiskalbereiches größerer Ausdehnung. Bereits vor 1232 erhielt es die Rechte einer freien Reichsstadt, wurde aber 1312 durch König Heinrich VII. an seinen Bruder Erzbischof Balduin von Trier verpfändet, dem er schon 1309 die "advokatia" (Vogtei) und "gubernatio" (Regierung) übertragen hatte. Diese Verpfändung wurde nie eingelöst; im "Weseler Krieg" von 1390/1391 wurde die Stadt endgültig unterworfen und als Landstadt dem Kurfürstentum Trier eingegliedert. Durch die Verwaltungsgliederung Erzbischofs Balduin entstand das Amt Oberwesel mit den Ortschaften Birkheim, Damscheid, Dellhofen, Kisselbach (zum Teil pfälzisch), Liebshausen, Langscheid, Laudert (zum Teil pfälzisch), Niederburg, Oberwesel (mit Engehöll und Weiler-Boppard), Perscheid, Urbar und Wiebelsheim. Die kurtrierische Zeit endete 1794 mit dem Einrücken der französischen Revolutionstruppen in Oberwesel. Als Ergebnis des Rastatter Kongresses und der Abtretung des linken Rheinufers wurde 1798 die Stadt Oberwesel mit Engehöll und Weiler-Boppard als selbständige Mairie gebildet, während die Gemeinden Damscheid, Dellhofen, Langscheid, Liebshausen, Perscheid und Wiebelsheim zur Mairie Wiebelsheim zusammengeschlossen wurden. Beide Mairien lagen im Kanton Bacharach. Die Ortschaften Birkheim, Niederburg und Urbar hingegen gehörten fortan zur Mairie und zum Kanton St. Goar, Laudert zur Mairie Pfalzfeld, ebenfalls im Kanton St. Goar, und Kisselbach zur Mairie Laubach im Kanton Simmern. Das gesamte ehemalige kurtrierische Amt Oberwesel unterstand nun dem Arrondissement Simmern im Departement Rhein-Mosel.

Durch den Einmarsch der preußischen Truppen 1814 endete die französische Verwaltungsperiode und das in der Kongressakte von 1815 Preußen zugesprochene Territorium mit den Mairien Oberwesel und Wiebelsheim wurde zunächst durch das Generalgouvernement Mittelrhein, dann von der Österreichisch-Bayrischen-Landesadministration (Sitz: Kreuznach, Worms) verwaltet. Ab 1815 wurde das Gebiet dem preußischen Oberpräsidium, Großherzogtum Niederrhein, unterstellt und gehörte seit 1822 dem Kreis St. Goar im Regierungsbezirk Koblenz der Rheinprovinz an. Oberwesel bleibt weiterhin im Verband mit Engehöll und Weiler-Boppard bestehen; von der ehemaligen Mairie Wiebelsheim wurde 1816 lediglich die Gemeinde Liebshausen abgetrennt, die fortan zur Bürgermeisterei Rheinböllen gehörte. Die beiden Ortschaften Birkheim und Laudert wurden der Bürgermeisterei Pfalzfeld zugeteilt, während die Gemeinde Kisselbach in die Bürgermeisterei Simmern/Land eingegliedert worden ist.

Wegen des Missverhältnisses zwischen Verwaltungsaufwand und Größe der Bürgermeisterei Wiebelsheim wurde bereits seit 1819 eine Personalunion mit Oberwesel angestrebt, jedoch erst am 1832 verwirklicht (ausgenommen von 1851-1884). Verwaltungssitz war Oberwesel, so dass in der Folgezeit die Bezeichnungen "Amt Wiebelsheim" und "Amt Oberwesel-Wiebelsheim" allmählich gleichbedeutend Verwendung fanden.

Am 12.11.1968 wurde die Auflösung des Kreises St. Goar und die Neubildung des Rhein-Hunsrück-Kreises beschlossen (Drittes Landesgesetzes über die Verwaltungsvereinfachung). Am 28.07.1970 erfolgte die Auflösung der Verbandsgemeinden Oberwesel und St. Goar und die Neubildung der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel mit Sitz in Oberwesel (Achtes Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung). Dieser neue Zusammenschluss umfasste die beiden Städte Oberwesel und St. Goar sowie die Gemeinden Damscheid, Dellhofen, Langscheid, Laudert, Niederburg, Perscheid, Urbar und Wiebelsheim. Die Gemeinde Dellhofen wurde durch Beschluss der Bezirksregierung Koblenz vom 01.10.1973, die Gemeinden Langscheid und Urbar durch Beschluss vom 21.12.1973 in die Stadt Oberwesel eingemeindet.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Der Bestand gelangte in mehreren Abgaben seitens der Stadt und Amtsbürgermeisterei Oberwesel an das Landeshauptarchiv. Die Zugänge der Jahre 1938 und 1978 wurden zunächst im Repertorium "Stadt- und Amtsbürgermeisterei Oberwesel" (1979), verzeichnet, ausgehend von der Annahme, die gesamte Dokumentation der Bürgermeisterei gesichtet und die Archivalien darin erfasst zu haben. Die Akten des Dritten Reiches und der Nachkriegszeit schienen im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen zu sein, was sich jedoch später als Irrtum herausstellte. Für die weiteren Zugänge wurde 1990 aus organisatorischen Gründen ein zweites Repertorium erstellt, bei der die in den 1930er Jahren veränderte Registraturordnung der Stadt- und Amtsverwaltung in der Klassifikation berücksichtigt worden ist. Die in den Zugängen vorhandenen fremden Provenienzen wurden den Beständen 655,132 (Bürgermeisterei Wiebelsheim) und 638 (Stadt- und Landbürgermeisterei St. Goar) zugeordnet.

Bei der Bewertung wurde grundsätzlich berücksichtigt, dass die Aktenüberlieferung des Landratsamtes St. Goar im 2. Weltkrieg vernichtet wurde.

Der Schwerpunkt der in Best. 631 verzeichneten Archivalien umfasst alle Bereiche der städtischen Verwaltung (Allgemeine Verwaltung; Öffentliche Sicherheit und Ordnung; Justiz; Schulen; Kultur; Soziale Angelegenheiten; Gesundheitswesen; Bau- und Wohnungswesen; Öffentliche Einrichtungen und Wirtschaftsförderung; Wirtschaftliche Unternehmen; Finanzen und Steuern).

Im Rahmen der Retrokonversion der Findmittel 2008 wurden die ursprünglich in zwei Findbüchern mit unterschiedlichen Klassifikationen verzeichneten Akten überarbeitet und auf der Grundlage des Musteraktenplans Rheinland-Pfalz (1979) in einer Gesamtklassifikation zusammengeführt.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Sebald, Eduard: Ehemaliger Kreis St. Goar. Stadt Oberwesel. T. 1-2, (Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises, Bd. 2.2), München 1997

Aloys Schmidt: Geschichte der Stadt Oberwesel, in: Heyen, Franz-Josef (Hrsg.): Zwischen Rhein und Mosel. Der Kreis St. Goar, Boppard am Rhein 1966

Campignier, Stefan: Ein Rundgang durch die Stadt Oberwesel und die Ruine Schönburg, Oberwesel am Rhein 1933
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