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Findbuch
Ergebnis

Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

E Nichtstaatliche Archive und Sammlungen

E.2 Sammlungsbestände

Bestand 716 Schulchroniken

Bestand 716
Schulchroniken
Laufzeit
Findbuch
» Findbuch zum Bestand «
Umfang
392 Akten: 1744-2016 (8,91 Rgm)
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Bereits 1863 hatte der Minister für geistliche-, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten den Bezirksregierungen empfohlen, die Lehrer zur Anlegung von Schul- und Gemeindechroniken anzuhalten. Mit der Einführung der preußischen Volksschulen schließlich wurde die Führung von Schulchroniken für die Lehrer verpflichtend (Allgemeine Verfügung über die Einrichtung, Aufgabe und Ziel der preußischen Volksschule, erlassen vom Minister der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten am 15. Oktober 1872, veröffentlicht im Ministerial-Blatt für die gesamte innere Verwaltung in den Königlich Preußischen Staaten von 1872, S. 274). Im Bezirk der Regierung Trier wurde die Führung einer Schul- und Gemeindechronik den Schullehrern seit 1873 durch Verfügung zur Pflicht gemacht. Die Kirchen- und Schulabteilung der Regierung Koblenz konkretisierte den Ministerialerlass von 1872 in einem Rundschreiben vom 22. August 1894 dahingehend, dass die Führung der Schulchronik weitestgehend im Ermessen des Chronisten liegen sollte, "da die Verschiedenheit der Ortsverhältnisse für die Auswahl und Behandlung des Stoffes mitbestimmend" ist. Während die Formalitäten zur Führung einer Schulchronik in dem Rundschreiben explizit beschrieben wurden, wurde die eigentliche Ausführung sowie der Umfang der Einträge dem Ermessen der Lehrer überlassen. Für die ältere Zeit, die der Chronist nachträglich für Schule und Gemeinde zusammentragen sollte, wurde eine getrennte Darstellung von Schul- und Ortschronik empfohlen. Es ist davon auszugehen, dass an fast allen Volksschulen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis zu deren Auflösung in den 1960er Jahren bzw. im Rahmen späterer Kommunalreformen, Schulchroniken fortgeführt wurden. Die Bestrebungen der Landrätekonferenz im Jahr 1931 im Zuständigkeitsbereich der Regierung Koblenz, den Lehrern die Führung der eigentlichen Gemeindechroniken zur Pflicht zu machen, blieben ohne Erfolg; es blieb bei der Trennung von Schul- und Ortschroniken. Tatsächlich war dies jedoch nicht die allgemein gängige Praxis. Nicht selten wurden die Schulchroniken als Schul- und Ortschroniken ausgebaut, nicht zuletzt, weil die Lehrer - insbesondere in kleinen Gemeinden - oftmals die einzig geeigneten Personen zur Führung einer Chronik waren. So verwundert es kaum, dass in fast sämtlichen Schulchroniken auch Ortschroniken mitgeführt wurden, teilweise ergänzt um mehr oder weniger ausführliche Ausarbeitungen zur Ortsgeschichte. Hinzu kommen vielfach Ergebnisse von Wahlen, Zeitungsausschnitte, Fotos, statistische Angaben, Beobachtungen von Witterung und Ernteergebnissen, und in einigen Fällen auch "Kriegschroniken" des ersten und zweiten Weltkrieges, die in erster Linie dem Andenken der Gefallenen gewidmet waren. Wenngleich der Quellenwert der Schulchroniken im Einzelfall differenziert gesehen werden muss, liefern die Chroniken nicht nur ein lebendiges Bild des damaligen Schulbetriebes, sondern auch von den Ereignissen in der Ortsgemeinde.

Bedingt durch die Auflösung der Volksschulen im Rahmen der Verwaltungsreform entschied das rheinland-pfälzische Kultusministerium hinsichtlich des weiteren Verbleibs der Schulchroniken, dass diese entweder zu den neuen Mittelpunktschulen oder an das Landeshauptarchiv Koblenz abgegeben werden sollten (Erlass des Kultusministeriums vom 20. August 1970, abgedruckt u.a. im amtlichen Schulblatt für den Regierungsbezirk Koblenz 10/1970, S. 107). 1977 wurde der Erlass des Kultusministeriums dahingehend erweitert, dass in Einzelfällen auch eine Übernahme von Schulchroniken durch die Gemeinden zur Fortführung als Ortschronik möglich ist.

Seit 1996 bemüht sich das Landeshauptarchiv Koblenz kontinuierlich um Sicherung und Zugänglichmachung von Schulchroniken aufgelöster Volks- und Grundschulen in seinem Bestand der Schulchroniken. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Schul- und Ortschroniken aufgelöster Volksschulen sich noch bei den jeweiligen Grund- oder Hauptschulen, vereinzelt auch bei den zuständigen Ortsgemeinden befinden, sofern sie nicht verlustig gegangen sind.

Die Sammlung umfasst Schulchroniken folgender Orte: Adenau, Altrich, Arbach, Auel, Auw a.d. Kyll, Badenhard-Utzenhain, Barweiler, Basselscheid, Bassenheim (vgl. Bibliothek A 15809), Bauler s. Wiesemscheid, Beilingen, Bendorf-Sayn, Berenbach, Bettenfeld, Bickenbach, Biersdorf, Birkenbeul, Bollendorf, Bornich, Bruchertseifen, Burg (bei Salm), Dahlem (s.a. Spangdahlem), Dahlheim, Deuselbach, Dierdorf, Dierscheid, Dörscheid, Dörth, Dorf, Dümpelfeld, Elgert, Emmelshausen, Ernst, Ferschweiler, Filsen, Flußbach, Freirachdorf, Gappenach, Gering, Giershofen, Gipperath, Gönnersdorf, Gondorf, Gonzerath, Greimerath, Hamm, Harscheid-Sierscheid, Hausbay, Heddesheim, Herforst, Herschbach, Herschbroich, Herschwiesen/Oppenhausen, Höchstberg, Hosten, Hütterscheid, Idenheim, Idesheim, Ittel, Jammelshofen, Kaan, Kalt, Kapellen-Stolzenfels, Kaltenborn, Kaltenholzhausen, Karl, Kaub, Kautenbach, Kehrig, Keldung, Kerben, Kesten, Kestert, Kettig s. a. Weißenthurm, Kinheim, Koblenz (Comenius-, Schenkendorf- und Kastorschule), Koblenz-Arzheim, Koblenz-Lützel, Koblenz-Metternich (Oberdorfschule), Koblenz-Neuendorf, Koblenz-Wallersheim, Kövenig, Kollig, Kürrenberg, Küttig, Lasserg, Lautzenhausen, Leimbach, Leudersdorf, Lierscheid, Liesenfeld, Lingerhahn, Lirstal, Lohrheim, Longen, Lykershausen, Mannebach, Marienhausen, Meckel, Meddersheim, Meerfeld, Metterich, Metternich (Maifeld), Minderlittgen, Mörz, Monzel, Mudershausen, Mülhofen, Niederadenau, Niederburg, Niederdreisbach Ww., Niederkail, Niederöfflingen, Niederweiler (Krs. Bitburg), Niersbach, Nochern, Nürburg, Oberbreisig, Oberelz, Oberneisen, Oberöfflingen, Obersgegen, Orenhofen, Pantenburg, Patersberg, Philippsheim, Pillig, Plaidt, Plein, Pohlbach/Klausen, Pracht, Prath, Preist, Quiddelbach, Reichenberg, Reitzenhain, Retterath, Röhl, Rüber, Rückeroth/Goddert (s.a. Steinen), Saffig, St. Goarshausen, Sauerbrunnen, Sayn, Schenkelberg, Schleid, Schöneberg, Schutzbach Ww., Spang (s.a. Spangdahlem), Spangdahlem (s.a. Dahlem und Spang), Steinborn, Steinen, Stromberg (Ww.), Sülm, Trimport, Trimport-Dahlem, Uersfeld, Wahlenau, Waldhilbersheim (heute: Guldental), Waldlaubersheim, Waldorf, Wallscheid, Wasenbach, Wederath, Weiler b. Monzingen, Weisel, Weißenthurm (Sonderschule, ab 1969 in Kettig, ab 1988 Anne-Frank-Schule), Wellmich, Weyer, Wienau, Wierschem, Wiesemscheid , Windesheim, Winningen, Wittlich (s.a. Dorf), Zendscheid.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Neupert, Frank: Kommunale Chroniken als zeitgeschichtliche Quellen. Zur Führung und Überlieferung von Orts-, Schul- und Kriegschroniken vom frühen 19. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier (Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, Nr. 22/1996, S. 249-314)

Weiter-Matysiak, Barbara: Die Schulchroniken im Kreisarchiv Trier-Saarburg, in: Landeskundliche Vierteljahrsblätter 45, 1999, S. 159-166

Röhricht, Bestimmungen betreffend die Volks- und mittleren Schulen im Regierungsbezirk Coblenz, 1913 S. 219 ff.

Anleitung zur Anlegung einer Orts- und Schulchronik, Adenau, o.D. (um 1895)
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