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Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

E Nichtstaatliche Archive und Sammlungen

E.2 Sammlungsbestände

Bestand 700,184 Dr. Ottmar Kohler (1908-1979), "Arzt von Stalingrad"

Bestand 700,184
Dr. Ottmar Kohler (1908-1979), "Arzt von Stalingrad"
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
45 Akten: 1939-1979; 203 Fotos: 1939-1979; 31 Gegenstände: 1861, 1939-1979 (0,58 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Nachlass von Dr. Ottmar Kohler (geboren am 19.06.1908 in Gummersbach (Bergisches Land), gestorben am 27.07.1979 in Idar-Oberstein).

Dieser wurde durch seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg und in der Kriegsgefangenschaft zum realen Vorbild für die Hauptfigur von Heinz G. Konsalik in dessen 1956 veröffentlichtem Roman "Der Arzt von Stalingrad".

Da sein Vater, ein in Ostpreußen praktizierender Arzt, einige Monate vor seiner Geburt starb, zog die Mutter, die ebenfalls aus einer traditionsreichen Ärztefamilie stammte, in ihre Heimat nach Gummersbach zurück.

Nachdem Kohler im Jahr 1927 an der Oberrealschule Gummersbach das Abitur bestanden hatte, absolvierte er zwischen 1927 und 1933 sein Studium der Medizin an den Universitäten Rostock, Wien, Köln und machte im Wintersemester 1932/33 sein Abschlussexamen als Bester unter 75 Medizinstudenten seines Jahrgangs.

1934 begann er mit seiner Tätigkeit als Assistent am Krankenhaus Köln-Mühlheim. Nachdem Kohler im Jahre 1938 seine Facharztprüfung für Chirurgie abgelegt hatte, absolvierte er im Sommer 1939 eine freiwillige sechswöchige Übung beim Infanterieregiment 45 in Marienburg (Westpreußen).

Ab September 1939 wurde Kohler zum Kriegseinsatz bei der 60. Infanteriedivision eingezogen. Seine Einheit wurde bei Feldzügen in Frankreich, auf dem Balkan und in Russland eingesetzt. Im Spätherbst 1942 erreichte er mit seiner Division schließlich Stalingrad.

Vom 2.2.1943 bis 1.1.1954 befand sich Kohler in russischer Gefangenschaft, nacheinander in 13 unterschiedlichen Gefangenenlagern. Überall dort konnte er durch seine ärztliche Tätigkeit mit einfachsten Mitteln, improvisierter Primitiv-Chirurgie sowie Kenntnissen in mittelalterlicher Medizin und Naturheilkunde, überraschend große Heilerfolge erzielen.

Nach seiner Heimkehr wurde er deshalb im Lager Friedland von Bundeskanzler Adenauer persönlich begrüßt und erhielt neben vielen anderen Ehrungen und Auszeichnungen für seine Leistungen das Große Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens (1954), die Paracelsus-Medaille (1954) sowie die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (1979). Auch später setzte er sich weiterhin intensiv für die Belange seiner Mithäftlinge ein und forderte immer wieder in Vorträgen die gesellschaftliche Verantwortung für Heimkehrer und die Hinterbliebenen.

Von 1954 bis 1957 war er als Oberarzt an der 2. Chirurgischen Universitätsklinik Köln tätig.

Vom März 1957 an wurden ihm die Aufgaben des Chefarztes der Chirurgischen Abteilung und des Ärztlichen Direktors der Städtischen Krankenanstalten Idar-Oberstein übertragen, welche er bis zu seinem Ruhestand im Dezember 1972 ausübte.

Nach seinem Tod im Jahr 1979 wurde er in Gummersbach beigesetzt.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Der Nachlass von Dr. Kohler gelangte im Februar 1980 als Zugang 1/1980 in das Landeshauptarchiv Koblenz. Es handelt sich bei diesen von seiner Witwe Erna Kohler abgegebenen Unterlagen um Druckschriften, Korrespondenz, Manuskripte und Zeitungsausschnitte sowie persönliche Erinnerungsstücke und vor allem Fotografien (letztere überwiegend aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Kriegsgefangenschaft von Ottmar Kohler).

Nach dem Abschluss der Erschließungsarbeiten im September 1984 und der Übergabe des fertigen Findbuchs an die Witwe wurde jene damalige Abgabe (verzeichnet als Best. 700,184 Nr. 1-261) von Frau Kohler dann im Dezember 1984 nochmals durch einige Stücke ergänzt (Orden und Ehrenzeichen, verzeichnet als Best. 700,184 Nr. 262-278).

Eine weitere Ergänzung erhielt der Bestand außerdem im Dezember 2002 durch eine Abgabe einzelner von Dr. Kohler verfasster Briefe durch Paul Eifler aus Idar-Oberstein/Göttschied (Zugang 100/2002, verzeichnet als Best. 700,184 Nr. 279).

Das dazu vorhandene Findbuch ist vollständig in die Verzeichnungsdatenbank des Landeshauptarchivs Koblenz eingegeben und dadurch auch online in Gänze recherchierbar.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Best. 860Z Nr. 1000: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Pressearchiv (Zeitungsausschnittsammlung): Kohler, Ottmar (geb. 19.06.1908, gest. 27.07.1979); Laufzeit 1979-1985

Adelbert Holl: Als Infanterist in Stalingrad, Erlangen o.J. (1978), mit Vorwort von Dr. Ottmar Kohler

Adelbert Holl: "Was geschah nach Stalingrad?". 7 1/4 Jahre als Kriegs- und Strafgefangener in Rußland, Duisburg 1965

Armin Germann: ... in Rußland gefangen ..., Mainaschaff 1970

Zur Geschichte der Kriegsgefangenen im Osten. Teil I: Vom Ort der Gefangennahme ins Kriegsgefangenenlager. Teil II: Lebensbedingungen und Sterblichkeit in den sowjetischen Kriegsgefangenenlagern. Hrsg. vom Deutschen Roten Kreuz, Suchdienst, Bielefeld o.J. (1954 und 1958).
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