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Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

E Nichtstaatliche Archive und Sammlungen

E.2 Sammlungsbestände

Bestand 700,177 Dr. Adolf Süsterhenn (1905-1974), MdL, MdB, CDU, Staatsminister

Bestand 700,177
Dr. Adolf Süsterhenn (1905-1974), MdL, MdB, CDU, Staatsminister
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
884 Akten: 1928-1980 (8,32 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Süsterhenn wurde am 31. Mai 1905 in Köln geboren; er starb am 24. November 1974 in Koblenz.

Nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium in Köln studierte er von 1923 bis 1926 Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und Köln und legte 1927 die Erste und 1931 die Zweite Juristische Staatsprüfung ab (1928 Promotion zum Dr. jur., 1931 Assessor). Von 1931 bis 1932 war er als Richter in Trier und Köln, von 1932 bis 1946 als selbständiger Rechtsanwalt in Köln und Unkel tätig.

Süsterhenn war während der Weimarer Republik Mitglied der Katholischen Hochschulgemeinde und der Zentrumspartei in Köln gewesen; ab 1933 war er Stadtverordneter. Während der Zeit des Nationalsozialismus verteidigte er als Anwalt ehemalige Zentrumspolitiker und Ordensgeistliche.

In seiner Wahlheimat Rheingönheim zählte er 1945 zu den Mitbegründern der Christlich-Demokratischen Partei (später CDU). Bald avancierte er zum Vorsitzenden der Vorbereitenden Verfassungskommission für das neue Land Rheinland-Pfalz, wo er 1946 Justizminister in der provisorischen Landesregierung des Ministerpräsidenten Wilhelm Boden und 1947 zudem Kultusminister im Kabinett Altmeier wurde (bis 1951).

1948 war der der Staatsrechtler Süsterhenn für Rheinland-Pfalz im Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee und danach im Parlamentarischen Rat in Bonn (1948/49) vertreten; in dieser Zeit wurde er auch zum stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion ernannt. Die Verfassungsgebung begriff er als Akt der geistigen Auseinandersetzung mit dem vorausgegangenen Unrechtsregime; nach seiner Vorstellung sollte der Allmacht des Staates durch die Bindung der Staatsgewalt an die Grundrechte Grenzen gesetzt werden. Die "Verantwortung vor Gott" in der Präambel des Grundgesetzes und das Bekenntnis zu einer starken Stellung des Bundesverfassungsgerichts gehen u. a. auf seinen Einsatz zurück. Trotz seiner christlichen Prägung war er ein Verfechter der Todesstrafe, die seiner Meinung nach "im Dienste der Gerechtigkeit" notwendig sei. Durch einen schweren Autounfall wurde er an der Teilnahme der Schlussabstimmung des Parlamentarischen Rates am 8. Mai 1949 gehindert, bei der die Mehrheit des Rates die Abschaffung der Todesstrafe beschloss. Seine Ministerämter in Mainz musste er aufgrund der Unfallfolgen aufgeben; er verzichtete nach der Landtagswahl 1951 auf eine Wiederberufung in die Landesregierung.

Von 1951 bis 1961 war Süsterhenn Präsident des Verfassungsgerichtshofs und des Oberverwaltungsgerichts von Rheinland-Pfalz; gleichzeitig arbeitete er ab 1951 als Honorarprofessor an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Von 1954 bis 1974 engagierte er sich als Mitglied der Europäischen Kommission für Menschenrechte in Straßburg und als Mitglied der Versammlung der Westeuropäischen Union und der NATO-Parlamentarierkonferenz sowie von 1961 bis 1965 als Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates.

1961 kehrte er wieder in die Politik zurück. Er war Mitglied des Bundestages bis 1969. Aufsehen erregte Süsterhenn 1965 mit der von ihm mitinitiierten Aktion "Saubere Leinwand", mit der er nach seiner Auffassung Unsittliches aus dem Kino verbannen wollte.

1973 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Trier verliehen.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Der Bestand wurde in den Jahren 1976, 1977, 1987 und 1988 in mehreren Abgaben übernommen. Bei der Verzeichnung sind diejenigen Teile, die eindeutig aus den Registraturen des rheinland-pfälzischen Kultusministeriums und des Justizministeriums stammten, entnommen und den entsprechenden Beständen (910 bzw. 900) zugeordnet worden. Außer einigen Doppelstücken (auch Durchschlägen) wurde nichts kassiert.

Die Unterlagen sind im Rahmen der von Süsterhenn ausgeübten beruflichen sowie politischen Funktionen entstanden und betreffen u. a. seine Tätigkeiten als Rechtsanwalt und Präsident des Oberverwaltungsgerichts bzw. als CDU-Politiker im Landtag und später im Bundestag. Neben der Verfassungsfrage befasste sich Süsterhenn u. a. auch intensiv mit den Themen NS-Zeit und Entnazifizierung, Föderalismus, Kirche und Europa.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

von Hehl, Christoph: Adolf Süsterhenn (1905-1974). Verfassungsvater, Weltanschauungspolitiker, Föderalist. (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte, 62). Düsseldorf 2012

Hennig, Joachim: Dr. Ernst Biesten und Dr. Adolf Süsterhenn: die beiden 'Väter' der rheinland-pfälzischen Verfassung aus Unkel. (Schriften zur Unkeler Geschichte, 8). Unkel 2012

Die Protokolle des Ministerrats von Rheinland-Pfalz. (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Sonderreihe Ministerratsprotokolle, 1-6). Koblenz 2007-2018

Personalakten in Best. 860 P Nr. 10764 Unternr. 1-8

Briefablage/Korrespondenzen u.a. in Best. 900 und 910
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