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Landeshauptarchiv Koblenz

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D.2 Kommunen

Bestand 655,029 Archiv der Bürgermeisterei Niederheimbach

Bestand 655,029
Archiv der Bürgermeisterei Niederheimbach
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
37 Urkunden: 1466-1713; 987 Akten: 1529-1939 (16,75 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Die Abtei Kornelimünster bei Aachen besaß bereits im frühen 12. Jahrhundert Güter in den Orten Niederheimbach und Trechtingshausen. Um ihren Besitz zu sichern, ließen die Klostervorsteher Burg Reichenstein errichten, die Sitz eines Vogtes war, der die Interessen der Abtei in diesem Bereich wahrnahm. Die Vögte entwickelten sich jedoch mit der Zeit zu "Raubrittern", so dass im Jahr 1270 die Abtei Kornelimünster ihre Besitzungen in Trechtingshausen, Oberheimbach, Niederheimbach und Weiler ("Sprengel St. Clemens") zu gleichen Teilen dem Mainzer Domkapitel und dem Mariengradenstift in Mainz (Stift Maria ad gradus) veräußerte. Die "Raubritter" wüteten weiterhin in der Gegend, ehe König Rudolf von Habsburg 1282 die Burg Reichenstein zerstörte und die "Raubritter" hinrichten ließ. Die wieder aufgebaute Burg wurde 1290 durch Dietrich von Hohenfels wiederrechtlich dem Pfalzgrafen Ludwig dem Strengen verkauft. Streitigkeiten zwischen Kurmainz und dem Pfalzgrafen entschieden sich erst 1344 dahin gehend, dass u.a. die Burg Reichenstein sowie die Orte Niederheimbach, Oberheimbach und Trechtingshausen dem Erzstift und Kurfürstentum Mainz zugesprochen wurden. Die drei Gemeinden waren bis zum Ende des Alten Reiches dem Vizedomamt Bingen unterstellt, das nur mittelbar zum Erzstift Mainz gehörte. In Oberheimbach war die Domprobstei, in Niederheimbach und Trechtingshausen sowie den weiteren Orten (Bingen, Kempten und Weiler bei Bingen) des Vizedomamtes das Dom- und Liebfrauenstift zu Mainz im Besitz der Hochgerichtsbarkeit unter kurfürstlicher Landeshoheit. Im Jahr 1665 trat das Mariengradenstift seinen Anteil an dem Patronatsrecht an das Domkapitel ab.

Zur Zeit der französischen Besatzung von 1794-1814 bildeten die drei Gemeinden Niederheimbach, Oberheimbach und Trechtingshausen die Mairie Niederheimbach, die zum Kanton Bacharach im Arrondissement Simmern im Rhein-Moseldepartement gehörte.

Im Januar 1814 wurden zwei Generalgouvernements für das linke Rheinufer gebildet. Die in französischer Zeit errichteten Departements Rhein-Mosel, Saar, Donnersberg sowie das Wälderdepartement gehörten zum Generalgouvernement für den Mittelrhein. Infolge des Pariser Friedens vom 30. Mai 1814 wurde das Generalgouvernement vom Mittelrhein aufgelöst und mit Ausnahme der Länder zwischen Rhein und Mosel mit dem Generalgouvernement vom Niederrhein vereinigt. Das Gebiet zwischen Rhein, Mosel und französischer Grenze wurde durch die "K.K. Österreichische und K. Bayrische Gemeinschaftliche Landesadministrationskommission" mit dem Sitz in Kreuznach verwaltet.

Im Besitzergreifungspatent vom 5. April 1815 war u.a. die Abtretung des Kantons Bacharach an König Friedrich Wilhelm III. von Preußen vorgesehen. Die definitive Abtretung erfolgte erst einige Zeit später.

Durch die "Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden vom 30. April 1815" gehörte die Amtsbürgermeisterei Niederheimbach (mit den Orten Niederheimbach, Oberheimbach und Trechtingshausen) ab 1816 zur Provinz Großherzogtum Niederrhein, die per königliche Kabinettsorder vom 22. Juni 1822 mit der Provinz Jülich-Kleve-Berg vereinigt wurde und die ab 1830 unter der Bezeichnung "Rheinprovinz" mit dem Sitz des Oberpräsidiums in Koblenz firmierten. Die Bürgermeisterei Niederheimbach war Teil des Kreises St. Goar im Regierungsbezirk Koblenz.

Der Verwaltungsapparat des Amtes Niederheimbach (Umbenennung von "Bürgermeisterei" in "Amt" erfolgte 1927) war ab 1. Oktober 1934 in den Räumen des Amtes Bacharach-Land untergebracht. Die beiden Ämter wurden in Personalunion verwaltet. Nach § 14 der Amtsordnung vom 13. Juli 1935 und mit Zustimmung des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern wurden die Ämter Bacharach und Niederheimbach mit dem 1. Oktober 1938 zu einem neuen Amt Bacharach mit Amtssitz in Bacharach vereinigt. Gleichzeitig wurde die Stadt Bacharach in dieses Amt unter Aufrechterhaltung ihrer Rechtsstellung als Stadt einverleibt.

Ab 1946 war das Amt Bacharach Teil des neugegründeten Landes Rheinland-Pfalz. Zum 1. Oktober 1968 bestanden die einzelnen Ämter im Regierungsbezirk Koblenz als Verbandsgemeinden fort. Im Zusammenhang mit der Auflösung des Landkreises St. Goar durch das 3. Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz vom 12. November 1968 wurden die der Verbandsgemeinde Bacharach zugehörigen Gemeinden zum 7. Juni 1969 in den neu gebildeten Landkreis Mainz-Bingen eingegliedert. Außerdem wurden die bis 1968 zum Amt Bingerbrück gehörigen Gemeinden Münster-Sarmsheim, Waldalgesheim und Weiler bei Bingerbrück in den Landkreis Mainz-Bingen überführt. Zum 8. November 1970 wurden die Verbandsgemeinden Bacharach und Bingerbrück aufgelöst und zur Verbandsgemeinde Bingen-Land mit Sitz im außerhalb des Verwaltungsgebiets der Verbandsgemeinde liegenden Bingen-Bingerbrück zusammengefasst. Zum 31. Oktober 1986 wurde diese Verbandsgemeinde in "Rhein-Nahe" umbenannt.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

In den Jahren 1833 und 1886 (vgl. zum Letzteren Best. 417 Nr. 169) wurden Akten und Urkunden von der Gemeinde und Bürgermeisterei Niederheimbach im Staatsarchiv Koblenz, Vorgänger des heutigen Landeshauptarchivs Koblenz, hinterlegt und unter der Bestandssignatur 655,029 verzeichnet.

Am 5.8.1975 (Zugangsnummer 24/1975) und 17.9.1976 (Zugangsnummer 3/1976) wurden von der Verbandsgemeinde Bingen-Land weitere Unterlagen an das Landeshauptarchiv Koblenz abgegeben und in den vorhandenen Bestand integriert.

Die abgegebenen Aktenbände mit Fadenheftung sind bis Anfang des 20. Jahrhunderts fortgeführt. Der größte Teil des Bestandes befand sich in relativ gutem Zustand. Nur wenige Aktenbände wiesen Feuchtigkeitsmängel und einen "farbigen Überzug" auf. Um das Jahr 1920 wurden Schnellhefter zur Bildung der Akten eingeführt. Lose beigefügte Schriftstücke sind den Akteneinheiten eingefügt oder zu neuen Akteneinheiten formiert worden. Die Überlieferung beginnt in der Zeit des Alten Reiches. Sie umfasst Archivalien zu den Gemeinden Niederheimbach, Oberheimbach und Trechtingshausen und erstreckt sich über die französische Zeit bis zur Auflösung des Amtes Niederheimbach im Jahr 1938, mit Ausnahme einer Akte (Nr. 705, bis 1939). Für den gesamten Bestand wurde eine Klassifikation unter Einbeziehung sämtlicher Archivalien erarbeitet. Von einer Rekonstruktion der alten Registraturordnung, die aus drei erkennbaren Registraturschichten besteht, wurde abgesehen, da Aktenbände gleichen Inhaltes verschiedene Signaturschemata aufzeigten.

Generalakten, die in erster Linie bei Zentralbehörden aufzubewahren sind, wurden nur dann aufbewahrt, wenn sie eine Ersatzdokumentation für den im November 1944 vernichteten Bestand des Landratsamtes St. Goar darstellten. Falsch deklarierte "Spezialakten" mit generellem Inhalt wurden kassiert. Von großer Bedeutung sind Spezialakten der unteren Verwaltungsebene, sofern sie die eigene Verwaltungstätigkeit dieser Behörde wiederspiegeln. Geschichtlich, rechtlich und administrativ wertloses Schriftgut wurde ausgesondert. Hierbei handelte es sich um Unterlagen folgenden Inhalts (ca. 200 Bände): Hoheitswesen (10 Akten), Wahlen (2 Akten), Justiz (2 Akten), Statistik (4 Akten), Landwirtschaft (20 Akten), Kirchen (5 Akten), Sicherheitspolizei (24 Akten), Medizinalwesen (17 Akten), Wohlfahrtswesen (11 Akten), Personenstands-Meldewesen (7 Akten), Handel-Gewerbe (20 Akten), Gemeindewesen (19 Akten), Finanzen (19 Akten), Militär (6 Akten), Schulwesen (12 Akten), Vereine und Versammlungen (2 Akten), Verkehr (7 Akten), Kultur und Presse (7 Akten) sowie Feuerschutz (7 Akten).

Die Akten der Zugänge Z 1838 und Z 1967 wurden von der Verbandsgemeinde Bingen-Land als Depositum an das Landesarchiv Speyer abgegeben. Entsprechend einer Absprache in der Landesarchivverwaltung wurde das Schriftgut der Bürgermeisterei Niederheimbach in das Landeshauptarchiv Koblenz gebracht, da hier schon der Bestand 655,029 archiviert worden war. Die Akten der Zugänge Z 1838 und Z 1967 wurden als Nr. 1136-1143 verzeichnet.

Ein Teil kurmainzischer Behördenakten wurde von Bestand 655,029 in Bestand 3 (Nr. 694-758) eingegliedert.

Der Bestand 655,029 umfasst vornehmlich folgende Themen:

- 1. Urkunden, Akten und Amtsbücher aus der Zeit des Alten Reiches

- 2. Zeit der französischen und preußischen Herrschaft: Staatsverfassung und Staatsverwaltung: Hoheitswesen; Wahlen; Personenstandswesen, Meldewesen, Ein- und Auswanderungen; Zählungen, Statistik; Naturereignisse; Gemeindeverwaltung: Allgemein, Registratur; Gemeindeorgane; Sonstiges Gemeindepersonal; Grenzen; Liegenschafts-, Finanz- und Steuerverwaltung: Gemeindevermögen, Versicherungswesen; Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen; Kataster, Steuern und Abgaben; Polizei: Polizeibeamte, Landjägerei, Polizeiverordnungen; Straftaten, Überwachung von Personen, Unglücksfälle; Strafvollzug; Schutz von Sonn- und Feiertagen, Veranstaltungen; Feuerwehren, Brände, Brandversicherung; Vereine, Kultur-, Denkmal- und Landschaftspflege; Schulwesen: Allgemeines, Schulaufsicht; Lehrer; Schulgebäude; Einzelne Schulen, Schulstellen, Privat-, Fortbildungs- und Haushaltsschulen; Schüler und Unterricht; Kirchen- und Religionswesen: Allgemeines, Kirchenvermögen; Kirchen und Pfarrhäuser; Pfarreien und Pfarrer; Bauwesen: Allgemein, Bau und Unterhaltung von Gebäuden; Straßen- und Wegebau; Reinigung von Straßen und Kanälen, Beschilderung, Beleuchtung; Wasserbau und Wasserversorgung; Fürsorge und Gesundheitswesen: Armen- und Sozialfürsorge; Jugend- und Wohlfahrtspflege; Stiftungen, Schenkungen, Unterstützungskassen, Sozialversicherungen; Gesundheitspolizei und Bestattungswesen; Veterinärswesen; Landwirtschaft und Forsten: Allgemeines, Wein- und Obstanbau, Landwirtschaftskammer; Viehzucht; Forstverwaltung und Jagdwesen; Handel, Gewerbe, Energieversorgung, Verkehr: Handel, Gewerbe; Handel- und Gewerbepolizei, Gewerbe-, Maß- und Gewichtsaufsicht, Eichwesen; Steinbrüche, Gewinnung von Quarzit; Energieversorgung; Handwerker, Innungswesen; Verkehr- und Nachrichtenwesen; Justiz: Allgemein; Gemeindeprozesse, sonstige Streitigkeiten; Militärwesen
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Bär, Max: Die Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815, Düsseldorf 1998 (Zweiter Nachdruck der Ausgabe Bonn 1919)

Fabricius, Wilhelm: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. Zweiter Band. Die Karte von 1789. Einteilung und Entwickelung der Territorien von 1600 bis 1794, Bonn 1898 (Nachdruck Bonn 1965)

Geis, Claus und Thorey, Volker: Nachweise genealogischer Quellen im Gebiet der ehemaligen Preußischen Rheinprovinz. Band 1 Wohnplatzverzeichnis, Köln 2003

Handbuch für die Bewohner des Rhein-Mosel-Departements für das Jahr 1812, Koblenz 1812

Heyen, Franz-Josef (Hrsg.): Zwischen Rhein und Mosel. Der Kreis St. Goar, Boppard am Rhein 1966

- Landeshauptarchiv Koblenz: Best. 3 (Erzstift und Kurfürstentum Mainz); Best. 261 (Unterpräfektur des Arrondissements Simmern); Best. 441 (Bezirksregierung Koblenz); Best. 487 VK (Landratsamt St. Goar); Best. 613 (Stadt und Amt Bacharach)

- Landesarchiv Speyer: Best. D 75 (Mainz, Stift Beatae Mariae Virginis ad gradus, Urkunden); Best. D 76 (Mainz, Stift Beatae Mariae Virginis ad gradus, Akten); D 79 (Mainz, Stift St. Peter, Urkunden); D 80 (Mainz, Stift St. Peter, Akten); U 226 (Amt Bingerbrück)
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