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Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

D Städte und Kommunen

D.2 Kommunen

Bestand 655,245 Bürgermeisterei Flammersfeld

Bestand 655,245
Bürgermeisterei Flammersfeld
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
879 Akten: 1818-1954 (17,25 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Im Zuge des Wiener Kongresses vereinbarte Preußen mit dem Herzogtum Nassau in Wien am 31. Mai 1815 einen Länderaustausch. Dabei fielen die nassauischen Ämter Schöneberg und Linz und Teile des Amtes Herschbach mit den Gemeinden Ahlbach, Berzhausen, Bettgenhausen, Bürdenbach, Burglahr, Eichen, Epgert, Eulenberg, Flammersfeld, Güllesheim, Horhausen, Huf, Kescheid, Krunkel, Luchert, Neiterschen, Niederähren, Niedersteinebach, Oberlahr, Obernau, Obersteinebach, Orfgen, Peterslahr, Pleckhausen, Reiferscheid, Rott, Schöneberg, Schürdt, Seelbach, Seifen, Strickhausen, Walterschen und Willroth an Preußen. Nach der Besitzergreifung durch Preußen kam es am 14. Mai 1816 zur Bildung des Landkreises Altenkirchen. Durch Erlass der Bezirksregierung Koblenz wurden zur weiteren Untergliederung dieses Landkreises neun Bürgermeistereien gebildet. Die Bürgermeisterei Flammersfeld setzte sich aus den benannten 33 Gemeinden in den Kirchspielen Flammersfeld, Schöneberg, Horhausen, Peterslahr und Oberlahr zusammen.

Das Gebiet der späteren Bürgermeisterei Flammersfeld (seit 1927 Amt Flammersfeld) gehörte vor dem Jahr 1789 zu drei unterschiedlichen Herrschaften:

1. Nach der Teilung der Grafschaft Sayn im Jahre 1652 fielen die Kirchspiele Flammersfeld (mit den Gemeinden Ahlbach, Eichen, Flammersfeld, Kescheid, Orfgen, Reiferscheid, Rott, Schürdt, Seelbach, Strickhausen, Walterschen) und Schöneberg (mit den Gemeinden Berzhausen, Bettgenhausen, Neiterschen, Niederähren, Obernau, Schöneberg, Seifen) an die Grafschaft Sayn-Hachenburg. Diese fiel 1714/1715 durch weibliche Erbfolge an das Haus Kirchberg. Nach dem Tod des letzten Grafen von Sayn-Hachenburg aus dem Hause Kirchberg am 11. April 1799 kam die Grafschaft durch die Ehe von Louise Isabelle von Sayn-Hachenburg mit dem Fürsten von Nassau-Weilburg an das Fürstentum Nassau-Weilburg.

2. Die Gerichte/Kirchspiele Horhausen (mit den Gemeinden Bürdenbach, Güllesheim, Horhausen, Huf, Krunkel, Luchert, Niedersteinebach, Pleckhausen, Willroth) und Peterslahr (mit den Gemeinden Epgert, Eulenberg, Obersteinebach, Peterslahr) gehörten seit 1664 zum kurtrierischen Amt Herschbach, das durch die Aufhebung der von geistlichen Fürsten regierten Territorien (Säkularisation) im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses vom 25. Februar 1803 dem Fürstentum Nassau-Weilburg zukam.

3. Zur kurkölnischen Herrschaft (Lahrer Herrlichkeit) gehörten die Ortschaften Burglahr und Oberlahr, die ebenfalls im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses vom 25. Februar 1803 an das Fürstentum Nassau-Usingen fielen. Zu Kurköln gehörten ebenso jeweils drei Höfe in den sayn-hachenburgischen (bzw. seit 1799 nassau-weilburgischen) Gemeinden Rott und Kescheid, die dann 1803 an Nassau-Weilburg kamen.

Artikel I der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 erklärte den Austritt der beiden Fürstentümer Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg aus dem deutschen Reichsverband. Der Fürst von Nassau-Usingen nahm den Titel eines Herzogs an und noch im selben Jahr verwalteten er und sein Erbe, der Fürst von Nassau-Weilburg, ihre Länder gemeinsam als einheitliches "Herzogtum Nassau".

Zu nassauischer Zeit ergab sich folgende Verwaltungsgliederung:

1. Zum nassauischen Amt Schöneberg gehörten: Ahlbach, Berzhausen, Bettgenhausen, Eichen, Flammersfeld, Kescheid, Neiterschen, Niederähren, Obernau, Orfgen, Reiferscheid, Rott, Schöneberg, Schürdt, Seelbach, Seifen, Strickhausen und Walterschen.

2. Zum nassauischen Amt Herschbach gehörten: Bürdenbach, Epgert, Eulenberg, Güllesheim, Horhausen, Huf, Krunkel, Luchert, Niedersteinebach, Obersteinebach, Peterslahr, Pleckhausen und Willroth.

3. Zum nassauischen Amt Linz gehörten: Oberlahr und Burglahr.

Seit 1816 hat es bis zur territorialen Neuordnung durch die Verwaltungsvereinfachung in Rheinland-Pfalz 1968-1974 nur eine entscheidende Änderung im Amtsgebiet Flammersfeld gegeben: Aufgrund §§ 10, 15, 117 Abs. 3 der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 kam es mit Wirkung vom 1. April 1939 zur Eingemeindung folgender Ortschaften:

1. Gemeinde Ahlbach in die Gemeinde Flammersfeld,

2. Gemeinden Huf und Luchert in die Gemeinde Krunkel,

3. Gemeinde Niederähren in die Gemeinde Seifen,

4. Gemeinde Bettgenhausen in die Gemeinde Seelbach,

5. Gemeinde Strickhausen in die Gemeinde Berzhausen

Mit der Territorialreform von 1968-1974 in Rheinland-Pfalz kam es 1969 zunächst zur Zusammenlegung der Gemeinde Neiterschen mit den Gemeinden Neitersen und Niederölfen (früher Amt Weyerbusch) zur Gemeinde Neitersen, die der Verbandsgemeinde Altenkirchen eingegliedert wurde. 1970 kam auch die Gemeinde Schöneberg in die Verbandsgemeinde Altenkirchen. Dazu wurden aus dem aufgelösten Amt Weyerbusch die Gemeinden Giershausen und Ziegenhain in die im Jahr 1968 neugebildete Verbandsgemeinde Flammersfeld eingegliedert, die heute 26 Gemeinden umfasst.
Inhalt
Bestandsgeschichte und beschreibung:

Der vorliegend verzeichnete Bestand gelangte durch zwei Abgaben der Verbandsgemeinde Flammersfeld aus dem Jahr 1990 (Zug. 28/1990 vom 9.5.1990 und Zug. 38/1990 vom 12.6.1990) ins Landeshauptarchiv Koblenz. Der Zeitraum von 1818 bis ca. 1900 ist zum größten Teil nur exemplarisch mit Einzelstücken belegt, die zumeist in Form von Abschriften diverser Anordnungen höher geordneter Behörden vorhanden sind. Der Zeitraum von 1900 bis 1938 bietet eine sehr geschlossene Überlieferung, die fast alle Bereiche der Flammersfelder Amtsverwaltung dokumentiert. Hinzuweisen ist in bezug auf das Dritte Reich besonders auf Belegstücke der Gestapo Koblenz, die möglicherweise als Ersatzüberlieferung für das im Krieg zerstörte Material dienen können (hierbei handelt es sich vornehmlich um Anordnungen der Gestapostelle Koblenz und Funkspruchabschriften, siehe auch Klassifikationspunkt 3.1 Staatliche Polizei, Gestapo Koblenz). Gleichermaßen dient dieser Bestand in seiner Gesamtheit auch als Ersatzdokumentation für das ebenfalls im Krieg 1944 zum größten Teil zerstörte Aktenmaterial des Landratsamtes Altenkirchen. In Frage kommen hierfür die Anordnungen bzw. die Korrespondenzen des Landratsamtes mit dem Amt Flammersfeld, die deshalb nicht kassiert wurden. Der Zeitraum zwischen 1938 und 1954 ist nur in Teilbereichen der Amtsverwaltung überliefert. Fast vollständig wird der Bereich der allgemeinen Amtsverwaltung abgedeckt (u.a. Bürgermeisterstelle, Standesamt), während der Bereich der Polizeiverwaltung nur teilweise und die restlichen Bereiche gar nicht mehr überliefert sind. Neben dem eigentlichen Aktenmaterial gelangten mit den Zugängen ebenfalls sechs Karten an das Archiv, die an den Bestand 702 (Karten und Pläne) abgegeben wurden. Der Bestand 655,245 umfasst vornehmlich folgende Themen: Allgemeine Verwaltung; Öffentliche Sicherheit und Ordnung; Schulen; Kultur; Soziale Angelegenheiten; Gesundheitswesen; Bau- und Wohnungswesen; Öffentliche Einrichtungen und Wirtschaftsförderung; Wirtschaftliche Unternehmen; Finanzen und Steuern.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Bär, Max: Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815, Bonn 1919

Fabricius, Wilhelm: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. Bd. 2: Die Karte von 1789. Einteilung und Entwicklung der Territorien von 1600 bis 1794, Bonn 1898

Gensicke, Hellmuth: Landesgeschichte des Westerwaldes, Wiesbaden 1958

Hermanns, Manfred: Landkreis Altenkirchen (Westerwald), Die Landkreise in Rheinland-Pfalz, Bd. 6, Altenkirchen 1969

Krämer, Hermann: Der Landkreis Altenkirchen, Oldenburg 1972

Landtag Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Verwaltungsvereinfachung in Rheinland-Pfalz - Territorialreform 1968-1974, Bd. I und II., Mainz 1978

Königlich Statistisches Bureau (Bearb.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Aufgrund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen: Bd. 12 - Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland, Berlin 1897

Der Regierungsbezirk Coblenz nach seiner Lage, Begrenzung, Größe, Bevölkerung und Einteilung samt einem doppelten Ortschaftsverzeichnis, Coblenz 1817

Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Territorialverhältnisse der Gemeinden in Rheinland-Pfalz von 1789 bis zur Bildung des Landes, in: Statistik von Rheinland-Pfalz, Band 172, Bad Ems 1967

Verein für nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung (Hrsg.): Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Bd. 10, Wiesbaden 1870

Landeshauptarchiv Koblenz:

Bestände 1A -1E Erzstift und Kurfürstentum Trier

Bestand 2 Erzstift und Kurfürstentum Köln

Bestand 30 Reichsgrafschaft Sayn-Altenkirchen, -Hachenburg

Bestand 345,015 Nassauisches Amt Linz

Bestand 345,018 Nassauisches Amt Schöneberg

Bestand 455 Landratsamt Altenkirchen
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