zurück
Findbuch
Ergebnis

Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

A Die Zeit des Alten Reiches

A.2 Klöster und Stifte

Bestand 231,015 Echternach, Luxemburg, Benediktinerkloster

Bestand 231,015
Echternach, Luxemburg, Benediktinerkloster
Laufzeit
Findbuch
» Findbuch zum Bestand «
Umfang
436 Urkundenregesten: (697-) 752-1794; 290 Akten: (697)-1809 (4,92 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Gegründet wurde das Kloster wohl von irischen Missionaren, denn als Irmina von Oeren, eine westfränkische Adlige und angebliche Tochter König Dagoberts, Ende des 7. Jahrhunderts Willibrord aus Northumbrien umfangreiche Güter und die eine Hälfte von Echternach mit Kirche für das Kloster übertrug, war es bereis vorhanden. Sie bezeichnete ihre Stiftung als Neugründung. Ein paar Tage später übertrug Pippin II. Willibrord die andere Hälfte von Echternach, die er von seinen Vorfahren geerbt hatte. Als Patrone erscheinen die Dreifaltigkeit, Maria und Peter und Paul. 785 bestätigte Karl der Große, der selbst das Kloster ein Jahr lang leitete, Echternach die von seinem Bruder Karlmann I. 771 gemachte Schenkung an der Lieser und im Bitgau.

847 - 973 finden sich Laien, Angehörige der Häuser Lothringen und Luxemburg, an der Spitze der Kommunität, die wohl stiftisch verfasst war. Mit Abt Ravanger aus der Abtei Sankt Maximin wurde 973 auf Veranlassung Ottos I. die Benediktinerregel eingeführt. Die Verbundenheit von Echternach und St. Maximin blieb bis ins 17. Jahrhundert erhalten. Sie drückte sich sowohl im Reliquienbestand, dem Skriptorium, der Architektur als auch in Gebetsverbrüderungen aus. Wilhelm, Bischof von Utrecht, verlieh Abt Reginbert von Echternach in einer Urkunde vom 28. Dezember 1063 das Verfügungsrecht über die Hälfte der Einnahmen etlicher Kirchen in Holland.

Im 11. Jahrhundert entstanden im Echternacher Skriptorium bedeutende Handschriften, so der Codex aureus Epternacensis, der Codex Aureus Escorialensis oder das Speyerer Evangeliar. Der gelehrte Abt Thiofried (1083-1110) von Echternach war Autor mehrerer quellenbasierter Heiligenviten und eines Werkes über das Wesen von Reliquien.

Nachdem 1016 die Abteikirche abgebrannt war, wurde am 19. Oktober 1031 durch den Trierer Erzbischof Poppo die neue Abteikirche geweiht. Die Gebeine Willibrords wurden in den Hochaltar gebracht, womit seine Verehrung vor Ort erstmals bezeugt ist. Der Willibrordkult erlebte Ende des 13. Jhs. einen ersten Höhepunkt. 1171-1210 wurde Echternach in Personalunion von Äbten von St. Matthias geleitet, die dem Erzbischof Arnold nahestanden. Der Trierer Erzbischof Johann suchte in dieser Zeit das Kloster seinem Stift zu inkorporieren. Die Abtei reagierte mit der von Theoderich verfassten Abteigeschichte (Liber aureus) und einer Denkschrift und wehrte sich erfolgreich. Seit 1299 waren die Äbte auch Stadtherren von Echternach.

Durch Abt Burchard Boswin von Neuerburg (1490-1506) wurde die Maximiner Reform eingeführt. Seit 1562 finden sich keine Adligen mehr als Äbte. Abt Hoveus (1562-1568) verfasste mehrere gelehrte Werke und Abt Bertels eine Geschichte Luxemburgs. Obwohl die reichen Besitzungen in Friesland, dem Missionsgebiet Willibrords, durch die Einführung der Reformation in den nördlichen Niederlanden verlorengingen, war die Abtei im 17. Jahrhundert noch an mehr als 125 Orten begütert.

Abt Matthias Hartz (1718-1728) begann mit dem Bau der noch vorhandenen Abteigebäude. Offenbar wegen des Willibrodkultes und ihrer Selbstständigkeit erlebte das Kloster keinen Verfall wie etwa die Abtei Prüm.

Der letzte Abt Emmanuel Limpach von Echternach starb am 6. September 1793. Es kam zu keiner neuen Abtswahl. General Colaud zog am 13. August 1794 mit den französischen Revolutionstruppen in Echternach ein. Die letzten Mönche des Klosters waren zuvor geflohen. Die Abtei wurde geplündert und Willibrords Grab geschändet. Kloster und Klosterkirche wurden 1797 versteigert.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Beyers Beständeübersicht von 1844 den Bestand aus. Er wurde aus Ortspertinenzen gebildet und im 19. Jahrhundert erschlossen. Eine Anzahl von Archivalien wurde später nach Luxemburg abgegeben. 1936-1937 wurde der Bestand neu verzeichnet. Dabei wurden Unterlagen aus dem Abteiarchiv hinzugefügt, die bis dahin in anderen Koblenzer Beständen lagen.

Enthalten sind Unterlagen zur Güter- und Besitzverwaltung.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Wampach Camille:Geschichte der Grundherrschaft Echternach im Frühmittelalter, 2 Bde., Luxemburg 1930.

Die Abtei Echternach 698-1998, hg. v. M.C. Ferrari, J. Schroeder und H. Trauffler in Zusammenarbeit mit Jean Krier (Publication du CLUDEM 15), Luxembourg 1999.

Archives nationales du Grand-Duché de Luxembourg
nach oben