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Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

A Die Zeit des Alten Reiches

A.1 Reichs- und Kreisstände, Ritterschaft, Adel, Ritterorden, Reichsbehörden

Bestand 48 Reichsherrschaft, Reichgrafschaft und Reichsfürstentum von der Leyen

Bestand 48
Reichsherrschaft, Reichgrafschaft und Reichsfürstentum von der Leyen
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
4.836 Akten: (1084)-1950; bisher bearbeitet 1.407 Urkundenregesten 1261-18 Jh. (98,64 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Die Stammburg der Familie lag in Gondorf auf einem Felsplateau über der Mosel. Nach diesem Felsen führte das trierische Ministerialengeschlecht, das urkundlich erstmals 1158 mit Engelbert von "Cunthreve" nachweisbar ist, ab Mitte des 13. Jahrhunderts den Beinamen "de Petra". Vom 14. Jahrhundert an nannte sich die Familie "von der Leyen", abgeleitet vom volkssprachlichen "leye" für Schiefer. Zunächst in der Nähe der Burg begütert, erwarb sie bis Ende des 15. Jahrhunderts Besitz im Raum von Untermosel, Osteifel und Mittelrhein, in der Westeifel, in Adendorf und im pfälzischen Westrich. In der Frühen Neuzeit gelang ihr durch gezielte Erweiterung des Besitzes, günstige Eheverbindungen, Stellungen in kurtrierischen und kurkölnischen Diensten sowie kirchliche Ämter der soziale Aufstieg bis in den Hochadel.

Das Fundament legte 1456 die Heirat Georgs I. von der Leyen mit Eva Mauchenheimer von Zweibrücken. Zu ihrer reichen Mitgift und späteren Erbschaft gehörten auch Anteile am kurkölnischen Lehen Herrschaft Saffig und der Burg Olbrück, nach denen sich Georg fortan benannte. Bis 1516 erwarb die Familie sämtliche Rechte über Burg und Dorf Adendorf, so dass das jülichische Lehen schließlich in der Hand des Bartholomäus von der Leyen vereinigt war. Neben Adendorf erbte er Saffig, während sein Bruder Johann den Besitz Olbrück und das Burglehen zu Blieskastel erhielt. Die Teilung der Familie bahnten die Söhne des Bartholomäus von der Leyen und der Katharina von Palant an: Georg III. von der Leyen begründete den Zweig zu Saffig, während sein Bruder Michael Stammvater des Adendorfer Familienzweigs wurde. Ein weiterer Sohn der Eheleute, Johann von der Leyen, wurde 1556 zum Erzbischof und Kurfürsten von Trier gewählt. Damit erreichte zum ersten Mal ein Vertreter der Familie eine Spitzenstellung in der Adelshierarchie des Reichs.

1607 machte die zweite Ehe Georgs IV. von der Leyen zu Saffig eine Erbteilung unter den Söhnen aus beiden Ehen erforderlich. Neben der Saffiger Linie (erloschen 1703), die Johann Georg von der Leyen fortführte, begründete Johann Kaspar einen Zweig zu Gondorf (erloschen 1692) und Lothar Ferdinand einen Zweig zu Nickenich (erloschen 1714). Langfristig war der Adendorfer Zweig der erfolgreichere und durch dynastische Zufälle schließlich ab 1714 der einzig fortbestehende Familienzweig.

1652 gelangte zum zweiten Mal ein Mitglied der Familie zur Kurwürde: Karl Kaspar von der Leyen zu Adendorf, der schon seit 1650 als Koadjutor amtiert hatte, wurde Erzbischof von Trier. Sein Bruder Damian Hartard wurde 1675 Erzbischof von Mainz. Im Jahre 1653 erhob Kaiser Ferdinand III. das gesamte Haus von der Leyen in den Reichsfreiherrenstand. Für die Zulassung zur Reichsritterschaft fehlte jedoch noch der Besitz eines reichsfreien Territoriums. Dieser Schritt gelang durch einen Gebietstausch mit dem Herzogtum Jülich, in dessen Folge Adendorf 1660 den Status einer reichsunmittelbaren Herrschaft erhielt. In der gleichen Zeitspanne betrieben die Brüder von der Leyen den Aufbau eines geschlossenen Territoriums um Blieskastel.

Das nächste Ziel der Familie, die 1661 einen Fideikommiss aufrichtete und die Primogenitur festlegte, war die Reichsstandschaft mit Kuriatstimme auf dem Reichstag. Voraussetzung war der Besitz eines reichsständischen Gebiets. Karl Kaspar Franz von der Leyen empfing vom Lehnsherrn Österreich die Anwartschaft auf die Herrschaft Hohengeroldseck, mit der er 1699 belehnt wurde. Er wurde in das Schwäbische Grafenkollegium aufgenommen und 1711 zum Reichsgrafen erhoben. Im Jahre 1773 verlegte Reichsgraf Franz Karl von der Leyen, der mit Marianne von Dalberg, der Schwester des späteren Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg, verheiratet war, seine Hofhaltung von Koblenz in das Schloss Blieskastel. 1793 marschierten französische Revolutionstruppen in den leyenschen Landen ein. Die reichsgräfliche Familie verließ Blieskastel. Im Zuge der Revolutionskriege gelangten die gesamten lothringischen und linksrheinischen Besitzungen unter französische Herrschaft. Da es sich dabei nicht um reichsständisches Gebiet, sondern um ritterschaftliche Güter handelte, verwies der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 den Entschädigungsanspruch des Hauses von der Leyen auf künftige Möglichkeiten.

Indes verstand es Reichsgraf Philipp von der Leyen, die politische Situation nach dem Ende des Alten Reiches zum weiteren Aufstieg der Familie zu nutzen. Als einziger deutscher Graf trat er 1806 dem Rheinbund bei, was ihm die Erhebung in den Fürstenstand eintrug. Nach dem Zusammenbruch des Rheinbunds 1813 wurde Fürst Philipp von der Leyen zum Feind der deutschen Sache erklärt. Als Ergebnis des Wiener Kongresses wurde das souveräne Fürstentum Hohengeroldseck mediatisiert und kam unter österreichische Herrschaft. In einem Gebietstausch 1818 gelangte es schließlich an Baden, wo den von der Leyen 1830 standesherrliche Rechte zuerkannt wurden. Da das Haus von der Leyen keinerlei Entschädigung für seine linksrheinischen Verluste erhielt, war der Familie ein großer Teil ihrer ökonomischen Grundlage entzogen. Erwein von der Leyen erwarb 1820 die Rittergüter Waal und Unterdiessen und verlegte den Sitz der Familie nach Bayern, wo sie sich um adelige Statussicherung auch in der bürgerlichen Gesellschaft bemühte.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Die Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz kaufte das Adelsarchiv 1995 gemeinsam mit den staatlichen Archivverwaltungen von Baden-Württemberg und Bayern sowie dem Saar-Pfalz-Kreis. Die Archivalien, die seit 1845 in Waal gelagert hatten, wurden nach regionalen Gesichtspunkten aufgeteilt. Dabei erwarb das Landeshauptarchiv Koblenz einen großen Teil der Urkunden sowie fast die Hälfte der Akten und Amtsbücher, deren Laufzeit mit Erwein II. Fürst von der Leyen (1863-1938) endet. Es handelt sich um Archivalien, die im alten Repertorium unter den Rubriken Familiensachen, Zentralverwaltung, Aliena sowie den einzelnen Kellereien und Herrschaften v.a. im Rheinland erfasst waren. Da die Repertorien, die Wolfgang Krämer 1939 bis 1947 in Waal angefertigt hatte, keinen modernen Ansprüchen genügten, wurde der Bestand datenbankgestützt neu verzeichnet. Für die mittelalterlichen Urkunden wurden Vollregesten mit Siegelbeschreibungen angefertigt, für die übrigen Kurzregesten. Parallel dazu wurden bestandserhaltende Maßnahmen an Archivalien durchgeführt, die in Waal Feuchtigkeitsschäden erlitten hatten.

Im Bestand liegen sowohl Unterlagen zu Herrschaft und Besitz der Familie von der Leyen als auch Schriftgut aus deren öffentlichen Aufgaben, als Amtmänner in kurtrierischen, kurkölnischen und jülichischen Ämtern ebenso wie als Erzbischöfe von Trier und Mainz. Daneben haben kulturelle und private Aspekte adligen Lebens ihren Niederschlag gefunden. In der Folge von Heirat, Erbgang und Besitzwechseln sind zudem Unterlagen in den Bestand gelangt, die für die Geschichte anderer Adelsfamilien von Interesse sind.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Ostrowitzki, Anja: Inventar der Akten und Amtsbücher des Archivs der Fürsten von der Leyen im Landeshauptarchiv Koblenz (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 102), Koblenz 2004; Dies.: Inventar der mittelalterlichen Urkunden des Archivs der Fürsten von der Leyen im Landeshauptarchiv Koblenz (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 112).

LHA Koblenz, Bestand 1 A, Bestand 1 C, Bestand 53 C 2, Bestand 53 C 7, Bestand 54 L, Bestand 256, Bestand 441.

Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand 111 P Geroldseck (von der Leyen).

Staatsarchiv Augsburg, Herrschaft Waal.

Landesarchiv Saarbrücken, Depositum von der Leyen (betr. Blieskastel).

Landesarchiv Speyer.
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