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Ergebnis

Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

A Die Zeit des Alten Reiches

A.1 Reichs- und Kreisstände, Ritterschaft, Adel, Ritterorden, Reichsbehörden

Bestand 1 Erzstift und Kurfürstentum Trier

Bestand 1
Erzstift und Kurfürstentum Trier
Laufzeit
Umfang
Die Beständegruppe umfasst fünf Unterbestände:

17.547 Urkunden: (634)-1802; 21.800 Akten: 893-1828 (629 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Das Erzstift Trier war das Gemeinwesen bzw. das Territorium, über das der Erzbischof von Trier als weltlicher Landesherr regierte. Es ist vom Erzbistum zu unterscheiden, dem er als geistlicher Oberhirte vorstand. Das Erzstift war deutlich kleiner als das Erzbistum: Nur sehr wenige, kleine Gebietsteile lagen außerhalb des Erzbistums Trier. Historisch war das Erzstift eine jüngere Erscheinung als das Bistum bzw. Erzbistum Trier: Einen Bischof von Trier gab es schon seit dem 3. Jahrhundert; der erzbischöfliche Rang ist seit Weomad (oder Wiomad) im Jahr 782 gesichert. Die Geschichte des Erzstifts hingegen beginnt mit der Übertragung weltlicher Herrschaftsrechte an den Trierer Erzbischof durch den fränkischen König in den Jahren um das Jahr 900.

Einen Markstein bedeutete das Jahr 1018: König Heinrich II. (1002-1024) schenkte dem Erzbischof Poppo (1015-1047) den Königshof Koblenz. Damit erwarb der Erzbischof einen am Zusammenfluss von Rhein und Mosel gelegenen Ort, der - gemeinsam mit dem rechtsrheinisch benachbarten Ehrenbreitstein - Trier ab dem 16. Jahrhundert den Rang als Verwaltungsmittelpunkt und Residenzstadt ablaufen sollte. Mit der Schenkung von 1018 setzte das Bestreben ein, Trier und Koblenz durch Gebietserwerbungen entlang der Mosel zu verbinden. Die Trierer Erzbischöfe dehnten ihr Territorium auch über den Rhein hinweg aus: Erzbischof Hillin von Falmagne (1152-1169) erwarb die Burg Ehrenbreitstein, und Dietrich II. von Wied (1212-1242) ließ 1227 zur Sicherung der rechtsrheinischen Besitzungen die Burg Montabaur errichten.

An Bedeutung vergleichbar mit der Erwerbung von 1018 war der Verzicht des Pfalzgrafen bei Rhein auf die Obervogtei über die Trierer Kirche (1197): Diese delegierte fortan die militärische und juristische Vertretung ihrer Rechte und Interessen nicht mehr an einen weltlichen Fürsten, sondern nahm sie in eigene Hände - und befand sich von da an wirklich auf Augenhöhe mit den weltlichen Fürstentümern des Reiches.

Die Bedeutung der Erzbischöfe von Trier und ihres Erzstifts für das ganze Reich trat im Spätmittelalter eindrucksvoll zutage: Als sich 1257/73 das Kollegium der sieben Kurfürsten bildete, die künftig ausschließlich das Recht besaßen, den deutschen König (und damit den Anwärter auf die Kaiserkrone) zu wählen, gehörte ihm auch der Trierer Erzbischof an. Aufgrund der Verknüpfung der Kurwürde mit dem Erzstift spricht man von diesem auch als vom Kurfürstentum Trier oder kurz von Kurtrier. Kurfürst Balduin von Luxemburg (1307-1354), der bedeutendste Erzbischof von Trier, trug maßgeblich dazu bei, dass sein Bruder 1308 als Heinrich VII. (1308-1313) zum König gewählt wurde. Auf der anderen Seite war der Erzbischof und Kurfürst auch selbst ein Wahlmonarch: Seine Wähler waren die Angehörigen des Trierer Domkapitels. Der steigende Finanzbedarf des Kurstaates führte dazu, dass sich endgültig ab 1502 die Landstände etablierten, die - freilich nur dem Anspruch nach - alle Untertanen des Kurstaates vertraten; nur im Zusammenwirken mit ihnen konnten die Erhebung direkter Steuern und das Verfahren für deren Umlage beschlossen werden.

Aus der Regierungszeit Balduins datiert die Unterscheidung zwischen dem oberen Erzstift um Trier und dem unteren Erzstift um Koblenz, die für die Organisation von Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Landständen Bedeutung erlangte. Balduin erweiterte Macht und Einfluss des Erzstift bedeutend; es gelang ihm nahezu, die territoriale Lücke zwischen oberem und niederem Erzstift zu schließen. Kurz nach seinem Tod wurde dieses Ziel erreicht. 1576 verleibte sich das Erzstift die bis dahin reichsunmittelbare Fürstabtei Prüm mit ihren Besitzungen ein. Es war die letzte namhafte Erweiterung des Territoriums. Im Zuge der Revolutionskriege wurde 1794 das linke Rheinufer von Frankreich besetzt, dem dieses Gebiet 1801 im Frieden von Lunéville zugesprochen wurde. Auf die geringen rechtsrheinischen Besitzungen, die Kurfürst Clemens Wenzeslaus verblieben, leistete er 1802 Verzicht; sie fielen an die Fürstentümer Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Das erste "Archiv" der Trierer Kirche ist wahrscheinlich während der Normannenüberfälle im Frühmittelalter untergegangen. Danach befand sich das Urkundenarchiv in Trier, und zwar entweder gänzlich oder wenigstens zum beträchtlichen Teil in der Obhut des Domkapitels. Es wurde erstmals unter dem Erzbischof und Kurfürsten Balduin von Luxemburg (1307-1354) nach einem Liegeplan grob geordnet. Anfang des 15. Jahrhunderts befand es sich auf der Cochemer Burg. Spätestens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde es auf die Festung Ehrenbreitstein gebracht, wo es bis in die Regierungszeit Kurfürsten, Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1768-1802), verblieb. In dessen letzten Regierungsjahren befand es sich in Koblenz. Was als reines Urkundenarchiv begonnen hatte, entwickelte sich zu einem Urkunden- und Aktenarchiv. Unter Clemens Wenzeslaus verfügten der Hofrat (mit dem "Archiv" im zeitgenössischen Sprachgebrauch), die Hofkammer (mit der "Hofkammerregistratur") und die Geheime Staatskonferenz über eigene Archive. Weitere Behördenarchive entstanden beim Hofkriegsrat, einzelnen Hofämtern und bei Justizbehörden. Das Archiv des Weihbischofs in Trier umfasste Unterlagen zum Verhältnis der Metropolitankirche zu den Suffraganbistümern sowie Akten der Metropolitan- und der Diözesangerichtsbarkeit. Ebenfalls in Trier befand sich das Archiv des Generalvikariats und Offizialats. Es befanden sich stets Urkunden und Akten der kirchlichen Verwaltung auch in den Archiven der weltlichen Verwaltung. Die Unterlagen der weltlichen und geistlichen Landstände des oberen bzw. niederen Erzstifts wurden in vier Archiven in Trier und Koblenz aufbewahrt.

Das Herannahen der französischen Truppen bedingte 1794 die Flüchtung des mit Abstand größten Teils der Archivalien nach Dillingen an der Donau im Hochstift Augsburg. Unterlagen, die zur weltlichen Verwaltung der nicht von Frankreich besetzten rechtsrheinischen Gebiete benötigt wurden, wurden nach Montabaur gebracht, dem Sitz der dort neu eingerichteten kurtrierischen Landesstatthalterschaft. Andere nicht geflüchtete Bestände wurden ebenfalls dort oder in Ehrenbreitstein untergebracht. Aber auch sie wurden 1795 fast komplett ausquartiert und verteilten sich im Zuge der Flucht auf Diez, Weilburg, Frankfurt am Main und Hanau. Infolge des Friedens von Lunéville (1801) fiel dem Fürstentum Nassau-Weilburg, dem darin die rechtsrheinischen Territorien und auch die darauf bezogenen Archivalien Kurtriers zugeteilt wurden, die Aufgabe zu, Archivalien mit Bezug zum linksrheinischen Gebiet an die dortigen französischen Behörden zu übergeben. Diese lagerte die Archivalien in den neu eingerichteten Departementsarchiven in Trier und Koblenz. Unterlagen mit Bezug zu den rechtsrheinischen Gebieten wurden in das neue Zentralarchiv des 1806 gegründeten Herzogtums Nassau in Idstein überführt. Nach dem Übergang der meisten ehemals kurtrierischen Gebiete an Preußen gemäß den Beschlüssen des Wiener Kongresses von 1815 übergab die nassauische Regierung einen Teil hiervon an die preußische Regierung in Koblenz. Preußen unterhielt die Departementsarchive unter der Bezeichnung "Regierungsarchive" weiter. 1832 wurden deren Bestände im neuen Provinzialarchiv für die Regierungsbezirke Trier und Koblenz der Rheinprovinz - dem Vorgänger des heutigen Landeshauptarchivs Koblenz - zusammengefasst.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Ergänzende Archivbestände befinden sich v.a. in Trier im Bistumsarchiv und im Stadtarchiv sowie im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden.

Kirchenreform und Konfessionsstaat 1500-1801, hrsg. von Bernhard Schneider und Martin Persch, Veröffentlichungen des Bistumsarchivs Trier. Geschichte des Bistums Trier, Trier 2010.

Leonardy, J.: Geschichte des Trierischen Landes und Volkes, Trier u. Saarlouis 1877.

Marx, J[akob]: Geschichte des Erzstifts Trier, d.i. der Stadt Trier und des Trierischen Landes, als Churfürstenthum und als Erzdiöcese, von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1816, Abteilungen I-III, 5 Bde, Trier 1858-1864.

Richter, Paul: Die kurtrierische Kanzlei im späteren Mittelalter, Mitteilungen der königlich-preußischen Archivverwaltung Heft 17, Leipzig 1911.

Schnelling, Ingeborg: Die Archive der kurtrierischen Verwaltungsbehörden 1768-1832. Die Auswirkungen der französischen Besetzung sowie der Säkularisation auf das Archivwesen im Kurfürstentum Trier, Trier 1991.
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