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Findbuch
Ergebnis

Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

A Die Zeit des Alten Reiches

A.1 Reichs- und Kreisstände, Ritterschaft, Adel, Ritterorden, Reichsbehörden

Bestand 1B Lehenhof

Bestand 1B
Lehenhof
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
2256 Urkunden:1318-1802 (9 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Der Erzbischof von Trier war in seiner Eigenschaft als weltlicher Herrscher des Erzstifts Trier Lehnsherr. In dieser Funktion vergab er Güter, Einkünfte und Rechte an meist adlige Empfänger, die ihm dafür Treue und Dienste schuldig waren. Die Empfänger dieser Lehen, die Vasallen, hatten - ebenso wie die als Lehen vergebenen Güter - einen eigenen Rechtsstatus, waren also von der regulären Gerichtsbarkeit ausgenommen. Das in Lehnssachsen anzuwendende Recht war in den Belehnungsurkunden, den Lehnbriefen, niedergelegt; ergänzend galt das lombardische Lehenrecht. Ordentlicher Lehenhof war das im 14. Jahrhundert entstandene oberste Regierungsgremium des Erzstifts aus adligen und nichtadligen Räten, der Hofrat. Vasallen konnten allerdings beanspruchen, vor ein Gericht nur aus Standesgenossen gestellt zu werden, das dann von Fall zu Fall gebildet wurde. In solchen Fällen ernannte der Erzbischof und Kurfürst zusätzlich zu den dem regulär dem Hofrat angehörenden adligen Hofräten sieben weitere adlige Hofräte. Ein lehnsrechtliches Verfahren konnte zwischen dem Landesherrn und einem Vasallen, zwischen Vasallen oder zwischen einem Vasallen und einem Fremden stattfinden. Gegen Urteile des Lehnshofs konnte an den Landesherrn persönlich appelliert werden, bis mit dem weltlichen Justizsenat in Koblenz 1783 eine neue zweite Instanz in Lehnssachen geschaffen wurde. 1791 folgte die Einrichtung eines solchen Justizsenats in Trier mit Zuständigkeit für das Obere Erzstift, während der weltliche Justizsenat in Koblenz danach nur noch für das Untere Erzstift zuständig war.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Die Überlieferung des Lehnhofs stellte wohl schon zur Zeit des Erzstifts Trier einen gesonderten Teil der schriftlichen Überlieferung dar. Der heutige Bestand 1B umfasst ausschließlich Urkunden, und zwar weitestgehend Lehenreverse, d.h. Bestätigungen einer Belehnung durch den Erzbischof und Kurfürsten von Trier, ausgestellt vom Empfänger. Entsprechend, d.h. nach den Namen der belehnten Familien, ist der Bestand alphabetisch untergliedert. Die Überlieferung setzt im Wesentlichen in der Mitte des 14. Jahrhunderts ein und reicht bis zum Ende des Kurstaates 1802.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Bestätigungen von Belehnungen durch die Trierer Erzbischöfe (Lehenreverse) von Seiten der Empfänger bis ins 14. Jahrhundert, von den Erzbischöfen ausgestellte Belehnungsurkunden sowie Belehnungen der Trierer Erzbischöfe durch die deutschen Könige bzw. römisch-deutschen Kaiser befinden sich in Best. 1A (Erzstift Trier - Urkunden der geistlichen und staatlichen Verwaltung). Darüber hinaus sind zahlreiche Urkunden zu Belehnungen unter Beteiligung der Trierer Erzbischöfe in Kopiaren überliefert, d.h. in Amtsbüchern, die Urkunden-Abschriften enthalten; derartige Amtsbücher befinden sich v.a. in Best. 1C (Erzstift Trier - Akten und Amtsbücher der geistlichen und staatlichen Verwaltung). Im selben Bestand befindet sich auch eine umfangreiche Überlieferung von Akten und Amtsbüchern zu Ansprüchen, Verhandlungen und Streitigkeiten über Lehensfragen, Leistungen im Rahmen der Lehnspflicht, Verzeichnissen von Lehen u.a.; dort befinden sich auch einige Protokolle des Lehnhofs aus dem 18. Jahrhundert. Für Lehnsangelegenheiten des Trierer Domkapitels ist Best. 1D (Erzstift Trier - Domkapitel) heranzuziehen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass eine sehr große Anzahl von Urkunden und Urkunden-Abschriften, die Belehnungen von Seiten der Erzbischöfe von Trier beinhalten, sich in den zahlreichen Beständen der weltlichen und geistlichen Herrschaften sowie der Adelsfamilien der Region v.a. im Landeshauptarchiv Koblenz, aber auch in den staatlichen Archiven v.a. von Nordrhein-Westfalen, Hessen und des Saarlandes befindet.

Marx, J[akob]: Geschichte des Erzstifts Trier, d.i. der Stadt Trier und des Trierischen Landes, als Churfürstenthum und als Erzdiöcese, von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1816, Abteilungen I-II, 4 Bde, Trier 1858-1864.
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