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Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

G Behörden ehemals nassauischer Landesteile

Bestand 807 Landratsamt Montabaur (Unterwesterwaldkreis)

Bestand 807
Landratsamt Montabaur (Unterwesterwaldkreis)
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
401 Akten: 1901-1980 (6,4 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch das Königreich Preußen 1866 wurde durch Verordnung vom 22. Februar 1867 aus den nassauischen Ämtern Montabaur, Selters und Wallmerod der Unterwesterwaldkreis mit Sitz in Montabaur gebildet. Er gehörte zum Regierungsbezirk Wiesbaden in der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Die Ämter blieben zunächst als untergeordnete Verwaltungsbezirke bestehen. Dem Kreis stand ein Landrat vor, der als neuer Vorgesetzter des Amtmannes fungierte. Dieser war nur noch das mit der Aufsicht über die Ortspolizeibehörde beauftragte Organ des Landrates (zu den Aufgaben des Amtmannes vgl. Sammelvorwort zu den Bestandsgruppen 345 und 815). Die Rechtspflege wurde von der Verwaltung in der unteren Instanz getrennt. Durch Verordnung vom 26. Juni 1867 wurden für jedes Amt Amtsgerichte als judikative Organe installiert. Auf Grund des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetz vom 24. April 1878 wurden neue Amtsgerichtsbezirke sowie neue Amtsgerichte gebildet. Zum Amtsgericht Montabaur gehörte das Amt Montabaur mit Ausnahme der Orte Hillscheid und Höhr, welche zusammen mit den Orten Alsbach, Baumbach, Kaan, Grenzau, Grenzhausen, Sessenbach, Stromberg und Wirscheid aus dem Amt Selters zum Amtsgericht Höhr-Grenzhausen zählten. Die Orte Dreifelden, Linden, Schmidthahn und Steinebach aus dem Amt Selters gehörten zusammen mit den Orten des Amtes Hachenburg zum Amtsgericht Hachenburg. Für die übrigen Orte des Amtes Selters wurde das Amtsgericht Selters eingerichtet. Das Amt Wallmerod gehörte zum Amtsgericht Wallmerod. Die genannten Amtsgerichte waren allesamt Teil des Landgerichtsbezirks Neuwied. Mit der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 wurden mit Wirkung vom 1. April 1886 die Ämter als Verwaltungsbezirke unterhalb der Kreise aufgehoben und eine Neuordnung der Kreiseinteilung von 1867 geregelt. Aus dem ehemals zum Unterwesterwaldkreis gehörenden Amt Wallmerod sowie dem Amt Rennerod (mit Ausnahme des in den Oberlahnkreis eingegliederten Ortes Rückershausen), welches zuvor zum Oberwesterwaldkreis zählte, wurde 1886 der Kreis Westerburg mit Sitz in Westerburg neu gebildet. Der Unterwesterwaldkreis setzte sich fortan aus den bisherigen Ämtern Montabaur (Sitz des Kreises) und Selters mit Ausnahme der zum Oberwesterwaldkreis gekommenen Gemeinden Dreifelden, Linden, Schmidthahn und Steinebach (aus dem ehemaligen Amt Selters) zusammen. Der Oberwesterwaldkreis, der sich seit 1867 aus den Ämtern Hachenburg, Marienberg und Rennerod zusammensetzte, bestand ab April 1886 aus den Ämtern Hachenburg und Marienberg und den aus dem Unterwesterwaldkreis hinzugekommenen Gemeinden. Im Rahmen der Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932 wurden mit Wirkung vom 1. Oktober 1932 die Gemeinden Girod, Goldhausen, Görgeshausen, Großholbach, Heilberscheid, Hundsangen, Kleinholbach, Nentershausen, Niedererbach, Nomborn, Obererbach, Oberhausen, Pütschbach, Ruppach, Steinefrenz und Weroth aus dem Kreis Westerburg in den Unterwesterwaldkreis eingegliedert. Die Kreise Westerburg und Oberwesterwaldkreis wurden aufgelöst und ihr Territorium zum neuen Kreis Westerburg (mit Sitz in Westerburg) zusammengeschlossen, der ab 1933 Oberwesterwaldkreis hieß. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten die vier ehemals nassauischen Kreise Ober- und Unterwesterwald, Unterlahn- und St. Goarshausen der französischen Besatzungszone an. Am 3. August 1945 wurden sie vorläufig dem Regierungsbezirk Koblenz zugewiesen. Bei Gründung der Provinz Rheinland-Hessen-Nassau mit Sitz in Koblenz am 2. Januar 1946 wurde bestimmt, dass für diese Kreise ein besonderer Regierungsbezirk geschaffen werden sollte. Am 2. Mai 1946 wurde der Regierungsbezirk Montabaur gebildet, der im August 1946 Teil des neu gegründeten Landes Rheinland-Pfalz wurde. Am 1. Oktober 1968 erfolgte die Auflösung des Regierungsbezirks Montabaur und die Integration des Territoriums in den neuen Regierungsbezirk Koblenz. Am 07. November 1970 wurden die Gemeinde Düringen vom Oberwesterwaldkreis in den Unterwesterwaldkreis umgegliedert. Außerdem wechselte am gleichen Tag die Gemeinde Marienhausen vom Unterwesterwaldkreis in den Landkreis Neuwied. Am 29. Januar 1971 wurden die Gemeinden Niedersayn und Sainerholz vom Oberwesterwaldkreis in den Unterwesterwaldkreis eingeordnet. Die Vereinigung von Ober- und Unterwesterwaldkreis zum Landkreis Westerwald mit Sitz in Montabaur wurde zum 16. März 1974 umgesetzt. Die Gemeinde Arzbach kam zum Rhein-Lahn-Kreis und die Gemeinde Stromberg wurde in die Stadt Bendorf im Landkreis Mayen-Koblenz eingemeindet. Am 1. August 1974 erfolgte die Umbenennung des Landkreises Westerwald in Westerwaldkreis.

Vor 1866 hatte das Gebiet des Unterwesterwaldkreises von 1806 bis 1866 überwiegend zum Herzogtum Nassau gehört. Für die Zeit vor 1806 war das Gebiet Teil von unterschiedlichen Territorien gewesen, vgl. hierzu Kurzvorworte zu den Beständen 815,005 (Nassauisches Amt Montabaur), 815,010 (Nassauisches Amt Selters), 815,011 (Nassauisches Amt Wallmerod).
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Am 09. Februar 1990 (Zugang 11/1990) und 26.07.1991 (Zugang 75/1991) wurden von der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises Archivalien an das Landeshauptarchiv Koblenz abgegeben. Die Archivalien dieser Zugänge wurden überwiegend gemäß ihrer Provenienz in die Bestände 507 (Kreisverwaltung Westerwaldkreis in Montabaur), 806 (Landratsamt Marienberg/Westerburg (Oberwesterwaldkreis)) und 807 (Landratsamt Montabaur (Unterwesterwaldkreis)) eingegliedert. Die Akte Nr. 1 stammt aus einem früheren Zugang (20/58). Im Januar 2016 bzw. November 2018 wurden weitere Archivalien (Nr. 390-399) aus den Zugängen 23/1999 und 78/2013 in den Bestand 807 verzeichnet.

Der Bestand 807 umfasst 399 Verzeichnungseinheiten mit einer Laufzeit von 1901 bis 1980 und vornehmlich folgende Themen: Kreisverwaltung; Kreisorgane; Rechnungs- und Gemeindeprüfungsamt; Kreiskommunalverwaltung; Finanzen und Steuern; Sozialamt; Flüchtlingsamt. Im Bestand 807 befinden sich auch Archivalien aus der Zeit nach der Auflösung des Unterwesterwaldkreises.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Gensicke, Hellmuth: Landesgeschichte des Westerwaldes, 2. ergänzter Nachdruck, Wiesbaden 1987

Hubatsch, Walther (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945. Reihe A: Preußen. Band 11: Hessen-Nassau (einschl. Vorgänger-Staaten). Mit einem Beitrag von Wolfgang Klötzer bearbeitet von Thomas Klein, Marburg 1979

Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006 (Band 393 Statistische Bände), Bad Ems 2006

Treichel, Eckhardt: Der Primat der Bürokratie. Bürokratischer Staat und Bürokratische Elite im Herzogtum Nassau 1806-1866, Stuttgart 1991

Vix, Ernst: Die Verwaltung des Herzogtums Nassau 1806-1866, Mainz 1950

Vogel, Christian Daniel: Beschreibung des Herzogthums Nassau, Wiesbaden 1843

Weidenbach, Anton Joseph: Nassauische Territorien vom Besitzstande unmittelbar vor der französischen Revolution bis 1866, in: Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung 10 (1870), S. 253-360

Zabel, Norbert: Räumliche Behördenorganisation im Herzogtum Nassau (1806-1866), Wiesbaden 1981

- Landeshauptarchiv Koblenz: Best. 1A-1E (Erzstift und Kurfürstentum Trier); Best. 21A (Fürstentum Nassau-Dillenburg); Best. 21B (Fürstentum Nassau-Weilburg); Best. 30 (Reichsgrafschaft Sayn-Altenkirchen, -Hachenburg); Best. 35 (Reichsgrafschaft Wied-Runkel (Wied-Isenburg)); Best. 331 (Nassauische Zentralbehörden); Best. 332 (Nassauische Regierung zu Ehrenbreitstein); Best. 333 (Nassauische Regierung zu Hachenburg); Best. 333A (Nassauische Regierung zu Altenkirchen); Best. 334 (Nassauische Regierung zu Wiesbaden); Best. 336 (Administrationskommission zu Wiesbaden); Best. 337 (Konsistorien und Konsistorialkonvente); Best. 338 (Oberappellationsgericht in Hadamar, Diez und Wiesbaden); Best. 339 (Hofgericht zu Wiesbaden); Best. 340 (Justizsenat zu Ehrenbreitstein); Best. 341 (Bergämter); Best. 342,002-004 und Best. 342,007-008 (Nassauische Finanzbehörden); Best. 343 (Wege- und Uferbaudirektion); Best. 345 (Nassauische Ämter für Verwaltung und Justiz); Best. 346 (Nassauische Amtsrenteien); 456 VK (Landratsamt Westerburg 1886-1932); Best. 507 und 507 VK (Kreisverwaltung des Westerwaldkreises in Montabaur); Best. 806 und 806 VK (Landratsamt Marienberg/Westerburg (Oberwesterwaldkreis)) Best. 807 VK (Landratsamt Montabaur (Unterwesterwaldkreis)); 815 (Nassauische Ämter für Verwaltung und Justiz)

- Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland, Duisburg: Best. 140.40.01 (Nassauer Behörden)

- Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden: Bestände in der Tektonik unter 1.4.2 (Kurtrier), 1.5 (Nassauische Territorien) und 2 (Herzogtum Nassau); Bestände 414 (Oberwesterwaldkreis), 419 (Unterwesterwaldkreis) und 421 (Kreis Westerburg)

- Archiv der Fürsten zu Wied

- Archiv der Stadt und Verbandsgemeinde Montabaur
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