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Findbuch
Ergebnis

Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

D Städte und Kommunen

D.1 Städte

Bestand 618 Archiv der Stadt Boppard

Bestand 618
Archiv der Stadt Boppard
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
121 Urkunden (152 Urkundenregesten): 1220-1777; 3063 Akten: 1422 - Ende 20. Jh.; 1 Flugblatt: Ende 1930er Jahre (69,51 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Das auf eine keltische Siedlung zurückgehende Boppard besaß bereits unter den Römern als militärischer Stützpunkt sowie unter den Franken als ein Mittelpunkt der königlichen Verwaltung eine wichtige Bedeutung. Der dadurch während des Mittelalters besessene Status als freie Reichsstadt ging jedoch 1312 durch die Verpfändung von Kaiser Heinrich VII. an seinen Bruder Kurfürst Balduin von Trier verloren. Balduin wurde damit Gubernator und Vogt der Stadt Boppard, die samt ihrem Umfeld in die Reorganisation des Kurfürstentums Trier einbezogen wurde, die Balduin in die Wege leitete. In ihrem Verlauf wurde innerhalb des Niederen Erzstifts das Oberamt Boppard und als weitere Untergliederung das Amt Boppard mit folgenden Ortschaften gebildet: Boppard, Brey, Niederspay, Oberspay, Salzig, Weiler, Kamp, Bornhofen, Ehrental, Filsen, Niederkestert, Oberkestert und Lykershausen.

Diese Zuordnung änderte sich erst nach der Besetzung der Rheinlande durch die Truppen des revolutionären Frankreich im Jahr 1794, der in den nachfolgenden Jahren eine mehrfache Neuordnung der rheinländischen Verwaltung und schließlich deren Anpassung an die französische administrative Gliederung in Departements folgte. Eines der 1798 neugebildeten Departements war das Rhein-Mosel-Departement, das von Koblenz aus geleitet wurde und zu dessen Kantonen auch der von Boppard mit folgenden Ortschaften gehörte: Boppard, Brey, Niederspay, Oberspay, Salzig, Weiler, Halsenbach, Basselscheid, Buchholz, Herschwiesen, Kratzenburg, Ney, Oppenhausen, Udenhausen, Bickenbach, Hirzenach, Rheinbay, Rhens, Waldesch, Dieblich, Niederfell, Oberfell, Alken und Nörtershausen. Dieser Kanton wurde im Jahre 1800 in die Mairien Boppard, Niederfell, Rhens und Halsenbach geteilt, wobei die Mairie Boppard die Gemeinden Boppard, Salzig, Weiler, Hirzenach und Rheinbay umfasste; die Orte Brey, Niederspay und Oberspay gehörten der Mairie Rhens an.

Nach der Niederlage Frankreichs in den Befreiungskriegen wurde am 5. April 1815 u. a. das Rhein-Mosel-Departement von Preußen in Besitz genommen. Der Kanton Boppard wurde nach einer Übergangsphase schließlich am 18. April 1816 der seit vorherigem August eingesetzten Regierung in Koblenz unterstellt und offiziell dem Oberpräsidialbezirk der "Provinz Großherzogtum Niederrhein", ab 1822 "Rheinprovinz2, eingegliedert. Am 14. Mai 1816 erfolgte die Bekanntgabe der Kreiseinteilung für den neugeschaffenen Regierungsbezirk Koblenz, dem von da an auch der neue Kreis St. Goar angehörte. Auf unterster Ebene wurden im Juni 1816 die Gemeinden Brey, Niederspay, Oberspay und Udenhausen vorläufig der Verwaltung durch Boppard unterstellt. Im Oktober erfolgte die Benennung der Bürgermeistereien, unter denen die von Boppard von da an folgende Gemeinden umfasste: Boppard, Brey, Niederspay, Oberspay, Salzig, Weiler, Hirzenach und Rheinbay; Udenhausen wurde an die Bürgermeisterei Halsenbach abgegeben. Im März 1817 erfolgte die zwischenzeitlich verfügte Änderung der Zugehörigkeit von Hirzenach und Rheinbay zur Bürgermeisterei St. Goar.

Die so reduzierte Bürgermeisterei Boppard blieb in diesen Grenzen bis zum 28. Juli 1970 bestehen, als sie durch das 8. Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz aufgelöst und gleichzeitig als Verbandsgemeinde Boppard im Rhein-Hunsrück-Kreis, der am 12. November 1968 den Landkreis St. Goar abgelöst hatte, neugebildet wurde. Dieser gehörten folgende Gemeinden an: Boppard, Bad Salzig (der Zusatz "Bad" datiert von 1925), Buchholz, Herschwiesen, Hirzenach, Holzfeld, Oppenhausen, Rheinbay, Udenhausen und Weiler. Die Gemeinden Brey und Spay (aus den am 10. Januar 1969 aufgelösten Gemeinden Niederspay und Oberspay gebildet) gingen zur selben Zeit an die Verbandsgemeinde Rhens im angrenzenden Landkreis Mayen-Koblenz.

Am 31. Dezember 1975 trat durch Landesverordnung an die Stelle der Verbandsgemeinde Boppard und ihrer Gemeinden die verbandsfreie Gemeinde Boppard, in der jene aufgingen.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Eine erste Abgabe der Stadt Boppard, die unter Best. 618 Nr. 1-123 verzeichneten Urkunden, erfolgte bereits am 11. September 1841 an das damals noch Provinzialarchiv Koblenz.

Akten der Bürgermeisterei Boppard folgten schließlich 1899, welche zunächst in einem gesonderten Bestand 655,006 verzeichnet wurden.

Zwischen 1957 und 1977 gab die Bürgermeisterei bzw. verbandsfreie Gemeinde Boppard dann in insgesamt neunzehn Teilen fast ihre gesamten Altakten, die zum Teil schon im 17. Jh. erwachsen waren, deren Masse aber dem 19. Jh. zugehörte, an das Staatsarchiv respektive Landeshauptarchiv Koblenz ab.

Da sich eine strikte Trennung der Akten von Stadt und Bürgermeisterei Boppard bei den folgenden Erschließungsarbeiten nicht als zweckmäßig erwies, wurde das Findbuch zu Best. 655,006 aufgelöst und die gesamte Überlieferung im Bestand 618 zusammengeführt.

Im Rahmen der Retrokonversion von Findmitteln in die Verzeichnungsdatenbank des Landeshauptarchivs Koblenz wurden die ursprünglich in drei Teilbänden verzeichneten Unterlagen (Urkunden, Akten, Bauakten) in einer Gesamtklassifikation zusammengeführt, wobei die Klassifikation der Akten auf der Grundlage des Musteraktenplans Rheinland-Pfalz überarbeitet wurde. Dadurch gliedert sich die Überlieferung neben den Bereichen für Urkunden sowie Bibliotheksgut und Sammlungen nunmehr bei den Akten wie folgt: Allgemeine Verwaltung, Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Schulen, Kultur, Soziale Angelegenheiten, Gesundheitswesen, Bau- und Wohnungswesen, Öffentliche Einrichtungen und Wirtschaftsförderung, Wirtschaftliche Unternehmen, Finanzen und Steuern.

Der Bestand ist abgesehen von einzelnen noch archivischen Sperrfristen unterliegenden Akten auch online in Gänze recherchierbar.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Boppard Geschichte einer Stadt am Mittelrhein, Bd. 1 - 3 (Bd. 1 Von der Frühzeit bis zum Ende der kurfürstlichen Herrschaft, Bd. 2 Von der Französischen Revolution bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1789-1945, Bd. 3 Boppard nach 1945), Boppard 1994-2001

Best. 700,129 Dr. Alexander Stollenwerk (1900-1979), Bürgermeister von Boppard

Best. 660,010 Hospital zu Boppard

Best. 1 Erzstift und Kurfürstentum Trier: Best. 1A Urkunden, Best. 1C Akten

Best. 133 Marienberg (bei Boppard), Benediktinerinnenkloster

Best. 256 Präfektur des Rhein-Mosel-Departements in Koblenz

Best. 403 Oberpräsidium der Rheinprovinz

Best. 441 Bezirksregierung Koblenz
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