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Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

D Städte und Kommunen

D.1 Städte

Bestand 613 Stadt und Amt Bacharach

Bestand 613
Stadt und Amt Bacharach
Laufzeit
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Umfang
2.655 Akten: (1399-) 1968 (51,08 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Bereits zum Ende des 10. Jahrhunderts sind Besitzungen des Erzbistums Köln im Bacharacher Raum bezeugt. Durch die Vergabe der Vogtei Bacharach an die Grafen von Stahleck und deren Erhebung zu Pfalzgrafen im Jahr 1142 wurde der Einfluss Kurkölns immer geringer. Über die Hohenstaufen und die Welfen gelangte die Pfalzgrafschaft und mit ihr Bacharach 1214 an die Wittelsbacher, die sie bis zum Ende des Alten Reiches innehatten.

Bacharach, durch den pfälzischen Teilungsvertrag von 1239 den unveräußerlichen Erblanden der Pfalzgrafschaft zugeschlagen, erhielt 1277 durch Kaub und seine Burgen Zuwachs auf der rechten Rheinseite. Die Pfalzgrafen besaßen 1243 mit den Burgen Stahlberg und Fürstenberg das ganze "Viertäler-Gebiet" mit Bacharach, Steeg, Oberdiebach und Manubach. 1254 wurden Bacharach und Diebach in den Rheinischen Städtebund aufgenommen, was darauf schließen lässt, dass der Ort 1356 bei Einführung der Ratsverfassung bereits zur Stadt erhoben worden war, auch wenn keine Stadtrechtverleihung nachgewiesen werden kann.

Zur Zeit der französischen Herrschaft am Rhein war Bacharach nicht nur Sitz einer Mairie, sondern auch des gleichnamigen Kantons im Arrondissement Simmern im Rhein-Mosel-Departement. Zur Mairie Bacharach gehörten auch die Viertälergemeinden, aber die rechtsrheinisch gelegenen Orte Kaub, Weisel und Dörscheid wurden dem Amt St. Goarshausen im Herzogtum Nassau zugeschlagen. Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurde Bacharach zuerst vom "Generalgouvernement des Mittelrheins" und dann durch die "Kaiserlich-Königlich Österreichische und Königlich Bayrische Gemeinschaftliche Landesadministrationskommission" verwaltet, bevor es am 22. April 1816 dem preußischen "Großherzogtum Niederrhein" und vom 27. Juni 1822 der Rheinprovinz in Koblenz angehörte.

Die preußische Bürgermeisterei Bacharach bestand aus den Gemeinden Bacharach, Breitscheid, Manubach, Oberdiebach und Steeg und gehörte zum Landkreis St. Goar im Regierungsbezirk Koblenz. Als am 2. März 1857 die Rheinische Städteordnung eingeführt wurde, schied Bacharach aus dem Bürgermeistereiverband aus und bildete eine eigene Stadtbürgermeisterei. Breitscheid, Manubach, Oberdiebach und Steeg wurden zur Landbürgermeisterei Bacharach. Stadt- und Landbürgermeisterei wurden in Personalunion geführt. Nachdem das Amt Niederheimbach ab Oktober 1934 von dem Bürgermeister des Amtes Bacharach-Land mitverwaltet worden war, erfolgte die offizielle Vereinigung der beiden Ämter zum 1. Oktober 1938. Das neugebildete Amt Bacharach umfasste nun die Stadt Bacharach sowie die Gemeinden Breitscheid, Manubach, Niederheimbach, Oberdiebach (mit den Ortsteilen Rheindiebach, Petersackerhof und Winzberg), Oberheimbach, Steeg und Trechtingshausen.

Im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde das Amt Bacharach 1968 in eine Verbandsgemeinde umgewandelt. 1969 erfolgte die Eingemeindung von Steeg in die Stadt Bacharach. 1970 wurde die Verbandsgemeinde Bacharach aufgelöst und in die Verbandsgemeinde Bingen-Land eingegliedert, die im November 1986 in Verbandsgemeinde Rhein-Nahe umbenannt wurde und Teil des Landkreises Mainz-Bingen ist.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Der Bestand Bacharach besteht aus mehreren Zugängen von Archivalien, die von der Stadt des alten Reiches und dem gleichnamigen kurpfälzischen Oberamt über die Mairie Bacharach der französischen Zeit (1794-1814) und die Amtsbürgermeisterei der preußischen Epoche (1815-1945) bis zur rheinland-pfälzischen Stadtverwaltung und davon getrennter Verbandsgemeindeverwaltung Bingen-Land (bzw. VG Rhein-Nahe in neuester Zeit) verschiedene Bestandsbildner umfassen. Der erste Zugang gelangte 1917 ins damalige Staatsarchiv und enthielt Archivalien sowohl der Stadt Bacharach als auch des pfälzischen Oberamtes Bacharach und umfasst den Zeitraum von 1559 bis 1872. Mit dem Depositalvertrag vom 30. Januar 1958 gelangten weitere Archivalien ins Landeshauptarchiv, welche wie die im Mai 1968 übergebenen Akten Eigentum der Stadt Bacharach sind.

Die Verbandsgemeinde Bingen-Land übergab in den Jahren 1975, 1976 und 1984 weitere Akten, wodurch eine provenienzgerechte Überarbeitung des gesamten Bestandes notwendig wurde. Allerdings stellte sich im Zuge der Arbeiten heraus, dass die Stadt- und Oberamtsprovenienzen des Alten Reiches nicht eindeutig getrennt werden konnten.

Der Gesamtumfang des Bestandes beläuft sich zur Zeit auf 51.08 Regalmeter und 2655 Archivalieneinheiten. Die Bedeutung dieses Bestandes liegt v. a. in der recht detaillierten und umfassenden Widerspiegelung der Blütezeit Bacharachs im 18. und 19. Jahrhundert. Es existieren geschlossene Serien von Oberamtsprotokollen und Rechnungen und auch in der übrigen Amts-, Bürgermeisterei- und Stadtüberlieferung sind keine größere Lücken vorhanden. Eine besondere Bereicherung für die Stadtgeschichtsschreibung stellt ein Bacharacher Protokollbuch für die Jahre 1474 bis 1479 dar, welches vom "Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler e. V." im Herbst 1993 auf einer Auktion erworben wurde und gemäß Depositalvertrag vom 4. Mai 1994 im Landeshauptarchiv Koblenz unter der Signatur LHA Ko, Best. 613 Nr. 2594 eingeordnet wurde.

Allerdings ist ein Teil der Überlieferung noch im 20 Jahrhundert abhanden gekommen. So sind sämtliche Urkunden verloren gegangen bzw. nicht mehr auffindbar, obwohl sie zum Teil 1956 noch zitiert wurden. Ebenso sind mehrere Amtsbücher sowie Bilder und Ansichten von Bacharach nicht mehr vorhanden.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Grathoff, Stephan: Bacharach Residenz der Pfalzgrafen bei Rhein: https://www.regionalgeschichte.net/mittelrhein/bacharach.html (aufgerufen am 15.11.2016)

Heilmann, Marion (Bearb.): Inventar des Archivs der Stadt Bacharach (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 66), Koblenz 1995

LHA Ko, Best. 2, Best. 4

Generallandesarchiv Karlsruhe
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