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Findbuch
Ergebnis

Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

B Die Zeit der französischen Herrschaft am Rhein, Übergangsverwaltungen bis 1816 und Enklaven bis 1937

B.2 Rechtsrheinische Behörden bis zum Ausgang der französischen Zeit

Bestand 332 Nassauische Regierung zu Ehrenbreitstein

Bestand 332
Nassauische Regierung zu Ehrenbreitstein
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
2.543 Akten: (16. Jh.,) 1607-1823 (40,36 Rgm)

125 Akten 1936 an das Staatsarchiv Wiesbaden abgegeben
Beschreibung
Bestandsbildner:

Infolge des Friedensvertrages von Lunéville von 1801 und den 1803 im Reichsdeputationshauptschluss vereinbarten Entschädigungen erhielten die Fürsten von Nassau-Usingen und von Nassau-Weilburg für ihre verlorenen linksrheinischen Besitzungen unter anderem die rechtsrheinischen Teile der säkularisierten Kurfürstentümer Trier und Köln sowie die Grafschaft Sayn-Altenkirchen. Nassau-Weilburg erhielt von Kurtrier - bezogen auf den nassauischen Regierungsbezirk Ehrenbreitstein - die Ämter Ehrenbreitstein, Hammerstein, Herschbach, Meudt, Montabaur, Sayn, Vallendar und Wellmich. Zur Verwaltung dieser neu erworbenen kurtrierischen Landesteile errichtete Nassau-Weilburg in Thal-Ehrenbreitstein eine eigene Regierung mit Sitz im Dikasterialgebäude (Verordnung vom 18. Dezember 1802, mit Reskript vom 18. April 1803 bestätigt). Zur zügigen Integration der neuen Untertanen wurde die Leitung der Regierung dem bisherigen kurtrierischen Regierungskanzler Eschermann übertragen.

Mit der Vereinigung der beiden Fürstentümer Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg zum Herzogtum Nassau (30. August 1806) und der Einverleibung neuer Gebiete der mediatisierten Fürsten wurde deren Verwaltung zunächst der am 6. September 1806 gegründeten Administrations-Kommission mit Sitz in Wiesbaden unterstellt, die wiederum dem gemeinschaftlichen Staatsministerium in Wiesbaden untergeordnet war. Die Regierung Ehrenbreitstein umfasste anfangs die Ämter Ehrenbreitstein, Hammerstein, Herschbach, Limburg, Montabaur, Vallendar und Wellmich.

Durch die Edikte vom 25. Juli und 1. August 1809 wurden die Administrations-Kommission zu Wiesbaden und die Regierung zu Hachenburg aufgehoben und die zugehörenden Ämter an die Regierungen zu Wiesbaden und Ehrenbreitstein überwiesen. Zum Regierungsbezirk Ehrenbreitstein gehörten fortan die Ämter Altenwied, Dierdorf, Heddesdorf, Maischeid, Neuerburg, Neuwied und Selters (aus dem Wirkungskreis der Administrations-Kommission), die Ämter Altenkirchen, Freusburg, Friedewald, Linz und Schönstein (aus dem Wirkungskreis der Regierung Wiesbaden) , das Stadt- und Landamt Hachenburg sowie die Ämter Schöneberg, Neunkirchen und Burbach (aus dem Wirkungskreis der Regierung Hachenburg).

Das ebenfalls zu den Souveränitätslanden zählende Amt Maischeid (Grafschaft Nieder-Isenburg) wurde 1811 aufgehoben und mit dem Amt Dierdorf vereinigt. Am 31. Dezember 1812 wurden die Ämter Friedewald, Burbach und Neunkirchen zwar zu einem Amt vereinigt, jedoch auch infolge noch separat aufgeführt. 1813 bestand der Bezirk der Regierung Ehrenbreitstein aus folgenden 21 Ämtern: Altenkirchen, Altenwied, Burbach, Dierdorf, Ehrenbreitstein, Freusburg, Friedewald, Grenzhausen in Selters, Hachenburg, Hammerstein in Engers, Heddesdorf, Herschbach, Linz, Meudt in Montabaur, Montabaur, Neuerburg, Neunkirchen, Neuwied, Schöneberg, Schönstein und Vallendar.

Nach den Bestimmungen der Schlussakte des Wiener Kongresses und dem am 31. Mai 1815 zwischen Preußen und Nassau abgeschlossenen Tauschvertrag kam der größte Teil des Regierungsbezirks Ehrenbreitstein zum Königreich Preußen. Dabei blieb für die Verwaltung zunächst weiter die Regierung Ehrenbreitstein zuständig, die in dieser Funktion dem preußischen Generalgouvernement für den Nieder- und Mittelrhein unterstellt war. Zusätzlich wurden der Regierung Ehrenbreitstein am 1. Juli 1815 die ebenfalls preußisch gewordenen Ämter Braunfels, Hohensolms und Greifenstein zugewiesen, die bis dahin der Regierung Wiesbaden unterstanden hatten.

Die Zuständigkeit der Regierung Ehrenbreitstein für diese Ämter endete mit der Auflösung der Regierung Ehrenbreitstein am 22. April 1816 und der Übernahme ihrer Aufgaben durch die Regierung Koblenz.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Die Akten der nassauischen Behörden wurden ab 1880 zunächst provisorisch in einem zweibändigen Findbuch ("Aktenrepertorium des Herzogtums Nassau - Regierung Ehrenbreitstein") verzeichnet.

Erst 1916 wurden diese sowie Akten aus einem Zugang des Staatsarchivs Wiesbaden von 1917 von Max Bär unter Wiederherstellung der ursprünglichen Registraturen bzw. Teilregistraturen in die Best. 331,001-331,004, 332-334, 336-341 verzeichnet. Die ursprüngliche Gesamtklassifikation, die eine Abbildung der wechselnden Zuständigkeiten der einzelnen Behörden ermöglichte, wurde beibehalten. Die ebenfalls im "Aktenrepertorium des Herzogtums Nassau - Regierung Ehrenbreitstein" verzeichneten Akten der nassauischen Finanzbehörden, Ämter und Renteien wurden 1916 mit bereits vorhandenen Archivalien in die Best. 842-846 eingearbeitet. Darüber hinaus wurden Akten weiterer Provenienzen (vor 1803 bzw. nach 1816) den entsprechenden Beständen (u.a. Best. 1C, Best. 2, Best. 30 und Best. 35) zugeordnet bzw. an das Fürstlich Wiedische Archiv nach Neuwied und an das Staatsarchiv Wiesbaden abgegeben (vgl. Best. 417 Nr. 600, Nr. 563).

Die Akten der Best. 331-341 wurden 2005 im Rahmen der Retrokonversion der Findmittel in die Datenbank übertragen, folgen aber weiterhin einer Gesamtklassifikation.

Der Bestand gliedert sich in folgende Hauptgruppen: Archiv und Kanzlei; Abzug und Aufnahme; Auseinandersetzungen; Bausachen; Bergwerks- und Hüttenwesen; Wirtschaft und Handel; Konzessionen; Depositen; Domänen; Finanzen; Forst und Fischerei; Fronden; Gemeindesachen; Grenzsachen; Juden; Justiz; Kirchen und Schulen; Klöster und Orden; Kreissachen; Militär- und Kriegswesen; Landeshoheit; Landstände; Landwirtschaft; Lehen; Markt; Medizinalwesen, Apotheken; Milde- und Hospitalsachen; Mühlen; Münzsachen; Nachbarschaft; Pensionssachen; Polizei; Post; Reichssachen; Schifffahrt; Standesherrschaft; Statistik; Verordnungen; Verwaltung; Zunftsachen.

Im Juni 2018 wurde die Akte Nr. 13 aus Bestand 336 (Administrationskommission zu Wiesbaden) wegen ihrer Provenienz in den Bestand 332 (jetzt Nr. 2788) eingeordnet
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Eckhardt Treichel: Der Primat der Bürokratie. Bürokratischer Staat und bürokratische Elite im Herzogtum Nassau 1806-1866, Stuttgart 1991

Johann Andreas Demian: Statistik der Rheinbundstaaten, Band 2, Frankfurt/Main 1812, S. 199

https://books.google.de/books?id=GOwrAQAAIAAJ&dq=Regierungsbezirk%20Thal%20Ehrenbreitstein&pg=PA199#v=onepage&q=Regierungsbezirk%20Thal%20Ehrenbreitstein&f=false

Weidenbach, Anton Joseph: Nassauische Territorien vom Besitzstande unmittelbar vor der französischen Revolution bis 1866, Wiesbaden 1870

HHSTAW Best. 206 Regierung Ehrenbreitstein

HHStAW Best. 206a Preußische Regierung Ehrenbreitstein
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