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Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

B Die Zeit der französischen Herrschaft am Rhein, Übergangsverwaltungen bis 1816 und Enklaven bis 1937

B.1 Französische Behörden

Bestand 276 Präfektur des Saardepartements zu Trier

Bestand 276
Präfektur des Saardepartements zu Trier
Laufzeit
Findbuch
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Umfang
4126 Akten: 1798-1813 (141,5 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Der Staatsstreich Napoleons am 9. November 1799 (18 brumaire VIII) führte zu einer grundlegenden Neuorganisation der allgemeinen Staatsverwaltung in Frankreich, welche im Verwaltungsorganisationsgesetz vom 17. Februar 1800 (28 pluviôse VIII) festgeschrieben wurde. Nach wiederholten Eingaben des Generalkommissars Shée in Mainz wurde dieses Gesetz schließlich am 14. Mai 1800 (24 floréal VIII) durch einen Konsularbeschluss auf die vier rheinischen Departements (Rhein-Mosel, Saar, Donnersberg, Rur) übertragen. Die bis dahin tätigen, am 23. Januar 1798 (4 pluviose VI) durch den ersten Regierungskommissar Franz Josef Rudler in den linksrheinischen Departements und Kantonen eingerichteten Kollegialbehörden wurden durch das streng hierarchische, monokratische Präfektursystem ersetzt.

Das Saardepartement mit Sitz in Trier bestand aus 34 Kantonen, welche nun ihre Funktion als Gemeindebezirke verloren und zu reinen Gerichts- und Konskriptionsbezirken wurden. Die bis dahin nur als Zuchtpolizeigerichtsbezirke ("Arrondissement des tribunaux correctionnels") fungierenden Arrondissements Birkenfeld, Prüm, Saarbrücken und Trier wurden nun auch zu Verwaltungsbezirken und somit zu Mittelbehörden zwischen den Präfekturen und den Mairien.

An der Spitze des Saardepartements stand der vom Ersten Konsul und späteren Kaiser Napoleon am 22. Juni 1800 (3 messidor VIII) ernannte Präfekt Joseph Bexon dOrmechville, der allerdings erst am 7. August 1800 (8 thermidor VIII) die bis dahin amtierende Zentralverwaltung ablöste. Er blieb bis zum 1. Juni 1803 (12 prairial an XI) im Amt und wurde dann von Maximilien Xavier Képler abgelöst, der bis 1810 das Präfektenamt ausfüllte. Als letzter Präfekt des Saardepartements fungierte von 1810 bis zum Ende der französischen Herrschaft am Rhein Alexandre Bruneteau de Sainte-Suzanne.

Dem Präfekten allein oblag die Verwaltung des Departements. Im Arrondissement Trier, in dem die Präfektur lag, bekleidete er auch das Amt des Unterpräfekten. Ebenfalls vom Ersten Konsul wurden der Generalsekretär ("secrétaire général de préfecture") und der Präfekturrat ("conseil de préfecture") ernannt. Während ersterer die allgemeine Geschäftsführung verantwortete, die Ausfertigungen des Präfekten unterzeichnete und für die Registratur zuständig war, fungierte der mit drei Juristen besetzte Präfekturrat vor allem als Verwaltungsgericht. Der fünfzehnköpfige, ebenfalls von Napoleon ernannte Departementsrat ("conseil général de département") trat einmal jährlich zusammen, entschied über Steuerfragen und berichtete über den Zustand sowie die Bedürfnisse des Departements an den Innenminister.

Das Amt des Generalsekretärs sowohl der Zentralverwaltung als auch der Präfektur bekleidete von 1798 bis 1803 Louis Nicolas Zegowitz, Verfasser der "Statistique du departement de la Sarre", dem im August 1803 Johann Wilhelm Karsch folgte, der bis zum Ende der französischen Herrschaft dieses Amt ausfüllte.

Das Saardepartement wurde nach dem Ende der Herrschaft Napoleons von den verbündeten Mächten Österreich, Russland und Preußen im Frühjahr 1814 zunächst mit den Departements Rhein-Mosel, Donnersberg und Wälder zu einem Generalgouvernement Mittelrhein zusammengefasst. Am 15. Juni 1814 endete diese gemeinsame Verwaltung, und aus dem nördlich der Mosel gelegenen Gebiet, das Preußen zufiel, wurde das Generalgouvernement Nieder- und Mittelrhein.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Der Bestand 276 umfasst 4126 Akten und Amtsbücher aus allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung. Der zeitliche Schwerpunkt der Überlieferung liegt auf den Jahren 1800-1813. Im Bestand befinden sich jedoch auch ca. 170 Akten aus der Zeit der Zentralverwaltung, die bereits vor Einrichtung der Präfekturverwaltung geschlossen wurden. Die Archivalien wurden im damaligen Präfekturarchiv in Trier aufbewahrt und kamen von dort 1837 an das preußische Staatsarchiv (heute: Landeshauptarchiv) Koblenz. Der Schwerpunkt der Überlieferung liegt mit 1318 Archivalien auf der Tätigkeit der Domänenverwaltung, gefolgt von Akten zu öffentlichen Arbeiten, der Militärverwaltung und Gemeindefinanzen.

Bei der Eingabe des Bestandes in die Datenbank Dr. Doc in den Jahren 2000-2002 wurden knapp 100 Archivalien aus anderen Beständen (Regierung Birkenfeld, Wälderdepartement, Forstbestände), die provenienzmäßig zu Bestand 276 gehören, in diesen übernommen.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Bär, Max: Behördenverfassung der Rheinprovinz, Bonn 1919

Graumann, Sabine: Französische Verwaltung am Niederrhein. Das Roerdepartement 1798-1814, Essen 1990

Hansen, Josef: Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution 1780-1801, Bd. IV, Bonn 1938

Käss, Ludwig: Die Organisation der allgemeinen Staatsverwaltung auf dem linken Rheinufer durch die Franzosen während der Besetzung 1792 bis zum Frieden von Lunéville 1801, Mainz 1929

Knemeyer, Franz-Ludwig: Regierungs- und Verwaltungsreformen in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Köln/Berlin 1970

Schieder, Wolfgang (Hg.): Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803 - 1813, T. 3: Saar-Departement, Boppard 1991.

Stein, Wolfgang Hans: Die Akten der französischen Besatzungsverwaltungen 1794 - 1797. Landeshauptarchiv Koblenz Bestand 241,001 - 241,014, Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz Bd. 110, Koblenz 2009

Stein, Wolfgang Hans: Die französischen Bestände des Stadtarchivs Trier 1794-1814/1816. Provenienzverzeichnis, Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 117, Koblenz 2013

Recueil des réglemens et arrêtés émanés du Commissaire Général du Gouvernement dans les Quatre Nouveaux Départements de la Rive Gauche du Rhin, Mainz 1800-1802

LHA Ko Best. 241,015-017, 241,019-023, Best. 250, Best. 256, Best. 349

Les Archives Nationales Paris

Stadtarchiv Trier: Best. Fz - Schriftgut der französischen Zeit
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