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Ergebnis

Bestände

Landeshauptarchiv Koblenz

B Die Zeit der französischen Herrschaft am Rhein, Übergangsverwaltungen bis 1816 und Enklaven bis 1937

B.1 Französische Behörden

Bestand 241 Verwaltungen der Französischen Besatzungen und Regierungskommissare 1794-1803

Bestand 241
Verwaltungen der Französischen Besatzungen und Regierungskommissare 1794-1803
Laufzeit
Umfang
1575 Akten: 1794-1802 (42,51 Rgm)
Beschreibung
Bestandsbildner:

Die Beständegruppe 241,001-023 umfasst die Überlieferung von 23 verschiedenen Verwaltungsbehörden, weshalb hier nicht von einem, sondern von mehreren Bestandsbildnern gesprochen werden muss. Diesen ist gemeinsam, dass sie vor der erst am 28. September 1802 erfolgten völligen Gleichstellung der linksrheinischen Departements mit den innerfranzösischen Departements aktiv waren.

Bei den Beständen 241,001-014 handelt es sich um die Französischen Besatzungsverwaltungen der Jahre 1794-1797. Sie wurden als erste französische Verwaltungen im linksrheinischen Gebiet nach der Eroberung durch die Revolutionsarmeen im Jahr 1794 eingerichtet. Aufgabe der Volksrepräsentanten ("Représentants du peuple"), Armee- und Zivilkommissare (Best. 241,002) war primär die Versorgung der Sambre-Maas-Armee und der Rhein-Mosel-Armee durch Kontributionen, Requisitionen und Konfiskationen sowie die Kontrolle der Armeen im Auftrag der Regierung. Die "Agences de la commission du commerce et des approvisionnements" (Handels- und Versorgungsagenturen, Best. 241,003) hingegen sollten die Versorgung Innerfrankreichs durch die eroberten Gebiete sicherstellen. Hierfür wurde zum einen der Besitz von Emigranten, die ins rechtsrheinische Gebiet geflohen waren, konfisziert, zum anderen Sachgüter beschlagnahmt . Die Konkurrenz der beiden Verwaltungen bedeutete eine doppelte Ausbeutung der Bevölkerung, wodurch letztlich auch die Versorgung der Besatzungsarmeen gefährdet wurde. Dies führte schließlich Anfang 1795 zur Aufhebung der Handels- und Versorgungsagenturen. In den vier Jahren, in denen die militärischen und zivilen Besatzungsverwaltungen tätig waren, kam es immer wieder zu solchen Neuorganisationen, so dass manche der Behörden nur wenige Monate Bestand hatten, wie z.B. die Verwaltungskommission der Lande zwischen Maas und Rhein, die nur vom 10. Juni 1796 bis zum 20. August 1796 bestand, oder die besagten Handels- und Versorgungsagenturen.

Die erste Zentralbehörde dieser Zeit war vom 20. Dezember 1794 bis 9. Juni 1796 die "Administration centrale du pays entre la Meuse et le Rhin" (Zentralverwaltung des Landes zwischen Maas und Rhein) mit Sitz in Aachen (Best. 241,004). Sie war eine überwiegend mit deutschen Verwaltungsbeamten besetzte Kollegialbehörde, die jedoch als zu wenig effektiv angesehen und deshalb bereits am 24. August 1796 für den nördlichen Teil des Besatzungsgebietes durch die "Direction générale des pays entre Meuse et Rhin" (Generaldirektion der Lande zwischen Maas und Rhein), ebenfalls in Aachen unter Leitung des Generaldirektors Pruneau, abgelöst wurde (Best. 241,008).

Für den südlichen Teil der besetzten Gebiete war schon am 8. August 1795 Jean-Baptiste Bella zum "Directeur général des domaines et contributions" ernannt worden. Ihm wurde zunächst am 18. Oktober 1795 eine Domänendirektion unterstellt, welche dann ab 10. Januar 1796 als alleinige Verwaltungsspitze für das gesamte südliche Rheinland fungierte. Die erst am 17. Mai 1796 (28 floréal IV) vom Direktorium beschlossene Neuregelung der Verwaltung, durch die das linksrheinische Gebiet zwei Generaldirektionen mit Sitz in Aachen und Koblenz unterstellt wurde, führte im südlichen Teil also zu keiner faktischen Neuerung, sondern lediglich zur Umbenennung der bestehenden Behörde in "Direction générale des pays conquis entre Rhin et Moselle" (Generaldirektion der Lande zwischen Rhein und Mosel, Best. 241,009).

Kaum ein Jahr darauf wurden diese Generaldirektionen durch Beschluss des Direktoriums vom 24. Februar 1797 (6 ventôse V) und die Bekanntmachung des Generals Hoche vom 8. März 1797 (18 ventôse V) wieder aufgehoben. Hoche errichtete durch Arreté vom 18. März 1797 eine neue Zentralbehörde, die Mittelkommission ("Commission intermédiaire"), die am 30. März 1797 erstmals in Bonn zusammentrat. Da Hoche jedoch knapp sechs Monate später am 19. September 1797 überraschend starb, wurde die Mittelkommission von Hoches Nachfolger Augereau am 26. November 1797 formell wieder aufgehoben. Sie bestand jedoch faktisch in gleicher personeller Zusammensetzung unter dem Namen" Nationalregie der französischen Republik"("Régie nationale de la République française chargée de ladministration des pays conquis") bis zur Einführung der neuen Verwaltungsordnung am 23. Januar 1798 durch den am 4. November 1797 (14 brumaire VI) eingesetzten Regierungskommissar Franz Josef Rudler weiter.

Mit der Abtretung der linksrheinischen Gebiete durch Österreich an Frankreich am 17.10.1797 (26 vendémiaire VI) in einem geheimen Zusatzabkommen zum Friedensvertrag von Campo Formio endete die Phase der Militärverwaltungen. In den folgenden Jahren wurden die linksrheinischen Gebiete durch Regierungskommissare verwaltet (Best. 241,015-021). Am 23. Januar 1798 (4 pluviôse VI) erließ Franz Josef Rudler fünf Verordnungen zur Verwaltungs- und Gerichtsorganisation. Die zweite Verordnung regelte die Einteilung dieses Gebietes in vier Departements (Rhein-Mosel, Saar, Donnersberg, Rur), welche wiederum in Kantone unterteilt waren. Mit der dritten Verordnung wurde die Einführung einer kollegialen Zentralverwaltung nach dem Vorbild des Direktoriums, die Schaffung eines einheitlichen Verwaltungsapparates in jedem Departement und die Organisation der Munizipalverwaltungen verfügt.

Bis zur völligen rechtlichen Gleichstellung des linksrheinischen Gebietes mit dem übrigen Frankreich am 23. September 1802 (1 vendémiaire XI) durch das Inkrafttreten der französischen Verfassung vom 13. Dezember 1799 (22 frimaire VIII) in den neuen Departements, wodurch auch das Amt des Regierungskommissars obsolet wurde, folgten Rudler, der Ende Februar 1799 nach Frankreich zurückberufen wurde, noch sechs weitere Regierungskommissare. Allein im Jahr 1799 wurden vier Regierungskommissare ernannt: Jean- Joseph Marquis (7. März bis August 1799), Joseph Lakanal (August bis Dezember 1799), Louis-Thibaut Dubois-Dubais (trat das Amt nicht an) sowie Henri Shée, der ab dem 22. Dezember 1799 amtierte und in dessen Amtszeit bedeutende Veränderungen eintraten. Aufgrund seine Initiative wurde am 14. Mai 1800 (24 floréal VIII) durch einen Konsularbeschluss, in welchem der Regierungskommissar erstmals als Generalregierungskommissar ("Commissaire général du gouvernement dans les départements de la rive gauche du Rhin") bezeichnet wurde, die Verfassung vom 13. Dezember 1799 (22 frimaire VIII) und das Verwaltungsorganisationsgesetz vom 17. Februar 1800 (28 pluviôse VIII) auf die vier neuen Departements übertragen. Damit wurde nicht nur das streng hierarchische Präfektursystem, sondern auch eine Mittelinstanz zwischen Departement- und Gemeindeebene, die "Arrondissements communaux", die sich geographisch mit den von Rudler geschaffenen Zuchtpolizeigerichtsbezirken ("Arrondissement des tribunaux correctionnels") deckten, eingeführt. Bald darauf, am 9. September 1800 (22 fructidor VIII), wurde auch die Unterstellung des Generalregierungskommissars unter den Justizminister aufgehoben, so dass der Generalregierungskommissar künftig mit den einzelnen Ressorts direkt korrespondieren konnte. Shée bekleidete in Personalunion die Ämter des Generalregierungskommissars und des Präfekten des Donnersbergdepartements. Sein Nachfolger in beiden Ämtern, Jean-Baptiste-Moïse Jollivet, amtierte vom 22.Oktober 1800 bis November 1801.

Der letzte Generalregierungskommissar, Jeanbon St. André, der am 1. Dezember 1801 (10 frimaire X) von Napoleon zum Generalregierungskommissar sowie zum Präfekten des Donnersbergdepartements ernannt wurde, bekleidete das Amt des Generalregierungskommissars bis zu dessen Abschaffung am 20. Februar 1803 (1 ventôse XI) - infolge der rechtlichen Gleichstellung der rheinischen mit den innerfranzösischen Departements - und das des Präfekten bis zu seinem Tod im Jahr 1813.

Ein weiterer Bestand der Beständegruppe 241, das "Gouvernement des pays conquis sur la rive gauche du Rhin" (Best. 241,022), umfasst die Jahre 1792- 1802 und enthält zwei Akten, eine vor allem mit Drucksachen, die andere mit Schriftverkehr verschiedener Verwaltungen.

Der letzte Bestand der Beständegruppe, die "Ministerialakten der französischen Republik betr. die Verwaltung der eroberten linksrheinischen Gebiete" (Best.241,023), umfasst 10 Akten, die provenienzmäßig den Pariser Ministerien des Inneren und der Justiz zuzuordnen sind und vor allem Schriftwechsel zu Stellenbesetzungen und Verwaltungskosten für die Jahre 1799 bis 1802 enthalten.
Inhalt
Bestandsgeschichte und -beschreibung:

Die Beständegruppe 241 umfasst 23 Bestände mit insgesamt 1575 Akten und einer Laufzeit von 1794-1797. Sie besteht zum Teil aus mehreren kleinen Überlieferungen von Behörden, die nur kurze Zeit bestanden. Umfangreichere Überlieferung findet sich nur in den Beständen 241,007-010, 241,015 und 241,019-021.

Die Akten der Besatzungsverwaltungen bis 1797 sind nur bruchstückhaft und verstreut überliefert. Wichtige Teile der Überlieferung befinden im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, nämlich Akten der Zentralverwaltung, der Generaldirektion der eroberten Lande zwischen Maas und Rhein, der Mittelkommission und der Nationalregie sowie Akten der Unterbehörden. Die Überlieferung von Spezialbehörden wie den Regierungen Kreuznach und Zweibrücken unter der Mittelkommission befindet sich im Landesarchiv Speyer, diejenige verschiedener anderer Behörden wie der Trierer Dienststellen der "Generaldirektion der Lande zwischen Rhein und Mosel" im Stadtarchiv Trier.

Die Archivalien der Beständegruppe 241 wurden um 1900 erstmals von Herrmann von Petersdorf verzeichnet und 2009 von Wolfgang Hans Stein einer systematischen Neuverzeichnung in der Datenbank Dr. Doc unterzogen. Hierbei wurden Archivalien offensichtlich anderer Provenienzen, die fälschlich Best. 241 zugeordnet worden waren, in ihren eigentlichen, zum Teil neu gebildeten Provenienzbeständen (z.B. Best. 250, 256, 261, 265, 266, 267, 270, 271, 302,001, 311,019) virtuell verzeichnet und klassifiziert, jedoch nicht umsigniert, da sie physisch aus Gründen der Zweckmäßigkeit an ihrem Lagerungsort im Bestand 241 verblieben. Die ehemalige Bestandsnummer 241 wurde dabei zur Nummer des Archivales, die ursprüngliche Aktennummer zur Unternummer.
Literatur
Literatur und ergänzende Überlieferung in Auswahl:

Bär, Max: Behördenverfassung der Rheinprovinz, Bonn 1919

Hansen, Josef: Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution 1780-1801, Bd. IV, Bonn 1938

Käss, Ludwig: Die Organisation der allgemeinen Staatsverwaltung auf dem linken Rheinufer durch die Franzosen während der Besetzung 1792 bis zum Frieden von Lunéville 1801, Mainz 1929

Knemeyer, Franz-Ludwig: Regierungs- und Verwaltungsreformen in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Köln/Berlin 1970

Ortlepp, Rainer: Die französische Verwaltungsorganisation in den besetzten linksrheinischen Gebieten 1797-1814 unter besonderer Berücksichtigung des Departements Donnersberg, in: Geschichtliche Landeskunde, 22/1982, S. 132-151

Stein, Wolfgang Hans: Die Akten der französischen Besatzungsverwaltungen 1794 -1797. Landeshauptarchiv Koblenz Bestand 241,001 - 241,014, Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz Bd. 110, Koblenz 2009

Stein, Wolfgang Hans: Die französischen Bestände des Stadtarchivs Trier 1794-1814/1816. Provenienzverzeichnis, Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz Bd. 117, Koblenz 2013

Recueil des réglemens et arrêtés émanés du Commissaire Général du Gouvernement dans les Quatre Nouveaux Départements de la Rive Gauche du Rhin, Mainz 1800-1802

LHA Ko Best. 250, Best. 256, Best. 276, Best. 349, Best. 350

Les Archives Nationales Paris

Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland

Stadtarchiv Trier: Best. Fz - Schriftgut der französischen Zeit
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